Montag, 24. April 2017

one year blues

When I found my muse in the silent spring
life was full of  blues and a hell of swing
love all night
it's all right

Love came fast in the summer sun
and we made it last for the chosen one
and the heat
made the beat

Birds came by on their long way home
and we said goodbye to some dreams we've done
rock'n'roll
killed my soul

Well the winter's long and the spring not near
and my baby's gone and my biggest fear
is to lose
the blues

Never lose
the blues

PV 05/2017

Montag, 17. April 2017

Die Elektromobilistin




Ich bin Elektromobilistin!

Das klingt wie Frauenrechtlerin. Oder Greenpeace-Aktivistin. Eine Vollblut-Idealistin. Die Haare zum zerzausten Zopf gebunden, Statement-T-Shirt, kämpferisch blitzende Augen. An mir selbst entdecke ich diese Seite gerade neu. Während ich sonst eher diskret peacig durch‘ s Leben groove und alles meide, was mich in seine Schubladen einlädt, ertappe ich mich in Begleitung meines E-500 immer wieder dabei, mit erhobenem Zeigefinger für die Integration der Stromer zu monologisieren. Da hat schon so mancher Ignorant meine zornige Predigt zu den Parkverbotsschildern über sich ergehen lassen. Keine Macht den Parksündern! Das schweigende Staunen des Betroffenen zeigt mir rückblickend, dass er gar nicht wusste wie ihm geschah. Bestimmt kam er mit seiner REWE-Tüte zu Hause an und berichtete seiner ungläubigen Frau von der Furie, die ihn bei der Rückkehr zu seinem Auto angesprungen ist. Neulich schrieb mir meine Schwester eine Textnachricht: Den Typen im Mercedes brauchst Du nicht anschnauzen, der hat schon ein Knöllchen vom Schutzmann bekommen. Meine Antwort: Ich bin erst in 2 Stunden zu Hause. Ihre Antwort: Ok. Hoffentlich ist dann was frei. Ihre Hoffnung bezieht sich nicht auf meine Parkplatzprobleme. Sie sorgt sich mehr um die armen Mitmenschen, die noch nicht wissen, dass man seine stinkende Karre vor öffentlichen Ladesäulen nicht parken darf. Auch nicht 2 Stunden. Gar nicht.  In Hamburgs Innenstadt werden entsprechend markierte Flächen geräumt. Oh welch Genugtuung ich empfand, als ich im Adventsgeschäft zusehen durfte, wie ein Verbrenner aus der fälschlich genutzten Lücke auf den Abschlepper gehoben wurde. Da warte ich gern ein paar Minuten, um meinen Schatz auf eben jenen Parkplatz zu lenken und per Kabel an die Zapfsäule für Kilowattstunden zu hängen. Biebiebiebiep biebiebiebiep. Das erlösende Signal, das mir bestätigt, dass der Ladevorgang begonnen hat. Ich atme aus. Die Becker-Faust balle ich noch häufiger an diesem Nachmittag. Volle Gönnung, triumphiere ich immer wieder, und gehe mir irgendwann selbst auf die Nerven. Das sind so Züge, die ich an anderen Menschen eigentlich weniger sympathisch finde.

Große Freude im Weihnachtstrubel.
Kurz warten und dann auf den E-Parkplatz schlüpfen.
Wie kommt es zu dieser Veränderung? Es ist die Verzweiflung, die das tut. Stellen wir uns vor, wir fahren mit einem großen Allradfahrzeug durch die Taiga. Unsere Kraftstoffreserven gehen dem Ende entgegen und wir sehnen die Tankstelle herbei, die auf unserer Karte als Einzige weit und breit eingezeichnet ist. Endlich erscheint sie am Horizont. Erleichterung. Hier können wir unseren Tank und all die Kanister füllen, die wir brauchen, um vor Einbruch der kalten Nacht an unser Ziel in der nächsten Stadt zu gelangen. Als wir ankommen,  ist der Zapfhahn verriegelt. Am Shop hängt ein Schild „Tanken nicht möglich. Keine Ahnung wann.“ Wir müssen also warten. Oder zu Fuß gehen. Fahren jedenfalls nicht.

Ähnlich geht es mir. Obwohl ich den Luxus genieße, in Sichtweite meiner Wohnung eine Ladestation für Elektroautos zu haben. Sie liegt, logistisch sinnvoll, vor einem Supermarkt, einer Sparkasse und einem Pizzaservice. Direkt neben den großflächigen Plätzen für behinderte Verkehrsteilnehmer. Der große Kundenparkplatz liegt ca. 20 Meter hinter dem Haupteingang. Daher ist es bequem, sich einfach auf die Sonderflächen zu stellen. Behindertenplätze zuzuparken ist moralisch verwerflich, also sind die Elektro-Parkplätze die erste Wahl. Kommt dann ein Fahrer eines Elektroautos – und davon gibt es auf meiner Ecke immerhin 4 Stück zzgl. Durchreisender – stößt dieser sich regelrecht die Nase. Ich kalkuliere. Für 15 Kilometer Arbeitsweg brauche ich im Stadtverkehr 21% meiner Akkukapazität. Meine Anzeige bestätigt viertelvoll. Das kann knapp werden. Vor allem im morgendlichen Stop and Go kann der Verbrauch durch das häufige Anfahren enorm steigen. Ich muss dringend den Akku aufladen. Also warte ich in der Hoffnung, dass jemand zu seinem Auto kommt. Ich warte bald 30 Minuten im Hamburger Winter. Die nächsten Ladesäulen sind mehrere Bushaltestellen entfernt. Neben der Tatsache, dass ich eine Fahrkarte kaufen müsste, würde auch die Reise ihre Zeit dauern, bis ich endlich in meiner kuscheligen Wohnung wäre. Endlich erscheint ein Falschparker und ich drücke ihm einen Flyer in die Hand, aus dem er ableiten könnte, warum meine Kontaktaufnahme ausgesprochen frostig ausfällt. Ich melde mich an der Ladestation an und stecke das Kabel ein. "Biebiebiebiep biebiebiebiep". Die Rettung.

Ich bin Elektromobilistin und strotze diesen Widrigkeiten. Die Freude am fast lautlose Fahren und das Gefühl Teil der Zukunft zu sein, übersteigt jeglichen Frust über Ahnungslose und Spielverderber. Das von mir gefahrene Modell ist 5 Jahre alt. Ein Dinosaurier in der Evolution der Stromer. Seit vielen Jahren spricht die Industrie über Elektroautos, doch die Entwicklung verlief bislang schleppend. Ich fahre mit dem Wissen, dass ich fast von Anfang an dabei war und in dem Glauben, dass der Durchbruch kürzlich geschehen ist. Der Markt wird sich rasant entwickeln. Da bin ich mir sicher.

Aufklärung statt Abschleppen.
Einige Ordnungshüter verteilen zum Knöllchen (noch) Flyer.
Und um ehrlich zu sein, gibt es auch viele freudige Momente an den Ladesäulen zu erleben. Immer wieder werde ich von Passanten angesprochen, Interessanterweise sind es insbesondere ältere Menschen und hier viele Damen, die sich für die Neuerungen interessieren. Diese Art der Kommunikation schätze ich natürlich mehr, als die zornige Missionierung. Und auch wenn ich noch so sehr in Zeitnot bin - ich nehme mir immer einen Moment, um mit den Neugierigen zu sprechen. 

Ich bin Elektomobilistin!

Hier für Alle: So parken Sie richtig!