Samstag, 2. Juli 2016

Kilometer 13.419 - 13.711 - Polly wird bereist. Teil 1: Ankunft in Hamburg

Ping! "Je suis environ 120 km de Onasbruck" erscheint auf meinem Smartphone während ich am Mittwoch Nachmittag in einer Besprechung sitze. Ich überschlage gedanklich die Zeit und lehne mich noch einmal zurück. Vor 18 Uhr muss ich nicht zum vereinbarten Treffpunkt aufbrechen.

Das tue ich dann auch. Auf der A1 herrscht der übliche Feierabendstau, doch als ich den schließlich hinter mir lasse, trabt die Petite Jolie Vulcan fröhlich voran. Google hatte mir verraten, dass man aus Norden kommend an der Raststätte Ostetal abfahren kann und eine unscheinbare Straße über die Autobahn führt. Ich spare mir somit die Weiterfahrt bis zur Abfahrt Sittensen und erreiche den Treffpunkt in Ostetal-Süd auf direktem Wege. Nachdem ich mein Motorrad vor dem Restaurant abgestellt habe, suche ich mir ein Plätzchen auf dem Grünstreifen an der Tankstelle und beobachte den Autobahnverkehr. Hoffentlich sehe ich nicht gleich eine schwarze Harley vorbei sausen. Bis ich dann wieder aufgesattelt hätte, wäre mein Gast am Horizont verschwunden. Doch nur 10 Minuten nach meiner Ankunft, sehe ich die so vertraute Silhouette auf den Rastplatz rollen. Die breite Front, die langen Beine in Jeans, Kaputzenpulli, Lederweste, Jethelm. Kurz liegt mir ein Vortrag zum Thema Sicherheitsausrüstung auf der Zunge, doch das bringt eh nichts. Der Wikinger fährt wie er will, auch auf deutschen Autobahnen. 980 Kilometer hat er geschafft, 70 muss er noch. Doch erst einmal feiern wir seine Ankunft mit einem großen Hallo und einer ebenso großen Tasse Kaffee. In der Sonne sitzend berichtet Frank von seiner Reise durch Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland. Ich grinse. Hat er in der Vergangenheit meine Erzählungen so oft belächelt, gibt er nun genau meine Eindrücke von den lebensgefährlichen belgischen Autobahnen und ihren Nutzern, der Gemütlichkeit in Holland und dem donnernden Tempo in Deutschlad wider. So ist das, wenn man sich dann einmal selbst auf den Weg macht und die Höhen und Tiefen der berühmten 1000 Kilometer selbst durchlebt.
 
Nach einer guten Stunde treibe ich ihn weiter. Ich befürchte, dass er sonst gar nicht mehr vom Stuhl hochkommen wird. Meine PJV flitzt über die Piste und voller Ungeduld lasse ich die Autobahnkreuze hinter mir. Schließlich überqueren wir die Elbe - wir sind in meiner Stadt. Der Wikinger ist in Hamburg angekommen.
 
Auf dem Heimweg halte ich noch an der Außenalster an und präsentiere meinem Gast einen meiner Lieblingsorte an der Alsterperle. Von hier aus hat man einen Blick über die gesamte Außenalster. Wasser und Bäume prägen das Bild. Menschen trinken einen Kaffee oder ein Kaltgetränk und genießen den Sommerabend. Schöner kann man in die Stadt kaum eintauchen. Nachdem die Motorräder in der Tiefgarage geparkt sind, gehen wir die letzten 300 Meter zu Fuß zu meiner Wohnung.  "Das ist eine komische Stadt." Ich zucke zusammen. Gefällt es ihm nicht? "Die ist ja mitten im Wald gebaut." Ich muss lächeln. Ja, mein Hamburg ist grün, voller Bäume, Düfte, Tiere und Blumen. Nur 4 Tage haben wir, um dem Franzosen zu zeigen, dass man sich auch außerhalb seines Landes gut aufhalten kann. 4 Tage, um ihm einen Einblick in mein Leben zu geben. Zu skizzieren, warum ich bin wie ich bin, ich alte Hamburgerin (Offiziell darf ich mich nicht Hanseatin nennen, da dies angeblich nur jenen obliegt, deren Stammbaum väterlicher- und mütterlicherseits jeweils 3 Generationen gebürtiger Hamburger nachweist. Dies ist bei mir nicht der Fall, dennoch bin ich ziemlich hanseatisch drauf....).
 
4 Tage um meine Lieben zu treffen, die Hamburg Harley Days zu erleben und einen Ausflug an die Ostsee zu machen.
 
Eigentlich müsste er diesen Beitrag schreiben. Nun ja, versuche ich einfach mal, Euch in seine Gedanken einzuweihen. Hier die ersten Eindrücke:
 
 
Warten auf den Wikinger - Ankunft in Ostetal




Die Binnenalster und der Jungfernstieg in Hamburg
"War das mal ein Hafen?" "Nein. Früher mal ein kleiner Handelsweg, aber vor allem Freude am Wasser und der Natur." "Ach..."
 






Das Rathaus
"Ils ne rigolent pas!" - "Die meinen das Ernst (die spaßen nicht)!"









In der neuen Hafencity
"In Le Havre wollen die auch so eine Stadterweiterung durchführen. Mal sehen, ob das auch so gut klappt wie hier."
 




Die Speicherstadt
"Das habe ich im Fernsehen gesehen!"
 


Am Elbstrand
"Komisch, die bauen einen Strand mitten im Hafen und baden auch noch!?" "Der Strand ist da so. Und der Hafen ist gegenüber. Ist doch hübsch, oder nicht?" "Ja schon.... aber trotzdem seltsam, wenn Du da schwimmst und es kommt ein Containerschiff vorbei!"




 
Bei Rach & Ritchy (Christian Rach)
"Joa, das kann man gut essen..."




Kommentare:

  1. Gerade war ich schläfrig am Wegdämmern gewesen. Ich liege hier in meinem Sessel, habe mein Alkoholfreies, meine Musik und mein Buch. Das Buch habe ich eben zugeklappt und beiseite gelegt, weil mir der Kopf auf die Brust gesackt war. Feierabend. Noch mal eben schauen, ob es was neues gibt.
    Zack! Bin ich wieder hellwach! Hamburg! Der Gedanke daran erfrischt sofort wieder!
    Ja, was für eine eigentümliche Stadt, in die der Wikinger da eingetaucht ist. Was einen schöneren Auftakt hätte er sich da heraussuchen können. Ja, das viele Grün, das schöne Licht, das Wasser und, ja, der Strand.
    Ja, einfach ja.

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    1. Ja, nicht wahr!? Hier kann man wirklich sehr gut sein...
      In der Normandie hat man die Trauerweiden immer kurz gestutzt, damit man keine Blätter fegen muss. Als ich das das erste Mal sah, kamen mir die Tränen. Und an der Promenade in meinem Städtchen hatte man die schönen alten Bäume gefällt, damit die Leute im Café besser auf die Seine gucken können. Danach war alles kahl. :-(

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  2. Boah, ist das schön in Hamburg. Viel Spaß euch beiden ... auch wenn die vier Tage vermutlich schon rum sind. Und ja, der Wikininger IST definitiv ein Motiv :-)

    Wie immer ein Genuss, deinen Bericht zu lesen. Aber man bekommt als normaler Sterblicher einen Tisch bei Rach&Ritchy? Oder ist das nicht so ein angesagter Laden? Ich kenne den nur aus dem Fernsehen, wenn Rach mal wieder über die Mattscheibe flimmert.

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    1. Rach & Ritchy ist in dem Laden, der früher einmal das berühmte Tafelhaus war, bevor dieses an die Elbe gezogen war. Das hat Christian Rach aber auch vor ein paar Jahren verkauft. Nach dem Motto, man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist.
      Rach & Ritchy machen Steaks und anderes in guter Qualität zu zu angemessen Preisen. Jeder kann da reservieren und bekommt auch einen Tisch. Ich mache das nicht oft, aber zu besonderen Anlässen durchaus mal. :-)

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  3. Impressions d'un Viking de France ....

    Le voyage en lui même a été cool. Oui, les autoroute Belges sont dignes d'un petit chemin rural !!!! Mais bon, je ne faisais que passé.

    Hollande ............. " l'autre pays du fromage" comme l'on dit en France. Bel autoroutes, beaux paysages et sourires.

    Allemagne. Autoroutes au top. Surprenant avec les camions qui ne circulent plus a partir de 20h00 !!! File de gauche ........... a fond !!! Bref, que du plaisir sauf ..... que le revêtement fait légèrement guidoner la HD !!!

    Arrivée a Hamburg.
    Odeur de tilleuils en fleurs. C'est ma toute première impression. Des arbres partout et des maisons en briques. Difficile de s'y repérer. On est dans une forêt et l'horizon s'arrête à la ramure des arbres.

    4 jours, c'est trop court pour comprendre une ville et ses habitants. Pour moi venant de France, les feux tricolores qui passent du rouge, a l'orange puis au vert est surprenant. De même, la façon de conduire, ou les feux oranges ne sont pas ou peu respecter, la vitesse de la circulation en ville et .............. le toc toc des feux pour les piétons. La première fois, je croyais que ma vielle HD avait un problème. ;) J'oubliais, le stationnement en double file des voitures !!!
    Je dois bien le reconnaitre, Hambourg (en français) mérite bien son adjectif de "Perle".
    "Une ville dans la forêt". C'est pour moi ce qui en ressort pour ce premier séjour.

    Autre point ...... le Français ne parle ...................... que le Français !!!
    Je sais, je sais ...... ce n'est pas bien ......... mais les personnes d'Hamburg sont très accueillantes, même si tu ne parles pas la langue. Pas toujours réciproque en France ou en Begique !!! Bon, promis, j'vais apprendre un peu la langue allemande.

    Hamburg Harley Days.
    Kolossale !!!! Vous avez une superbe fête. L'ambiance y est conviviale et saine. Trop rare en France. J'en ai pris plein les yeux et les oreilles. Continuez a la cultiver comme il faut. C'est vraiment une très belle fête !!!

    Voilà, mes quelques impressions sur ce voyage. Je ne suis pas très démonstratif, mais j'ai apprécié profondément ce voyage. Les rencontres que j'y ai fais et découvrir la vie de ma Polly Valente.

    Schussss. "Boujou bien" en Français !!!

    Frank le viking

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  4. Ja, Hamburg ist echt ne Reise wert. Und wenn es sich dann noch von der besten Seite zeigt...umso besser.
    Ich kann kein Französisch aber ich denke dem Viking haben die Harleydays gefallen...
    Gruß
    Marcus

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  5. Ich glaube, dem Manne hat's gefallen. Die "Stadt im Wald"... wenn das mal nicht eine der schönsten Komplimente für eine Großstadt ist. Hach, ich muss unbedingt mal wieder da 'rauf.

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  6. Wie schön, wenn man die eigene Stadt durch die Augen von Besuchern sehen kann :) Gerade das mit dem Grün nimmt man als so selbstverständlich, je länger man hier lebt...
    Super Fotos! Von der Elbphilharmonie hätte auch das mit dem Bauzaun gereicht hihi

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