Dienstag, 10. Mai 2016

Kilometer 9.343 - 9.561 - Le Mont Saint Michel

Eigentlich wollte ich in meiner zweiten Ferienwoche - wenn alle anderen arbeiten - noch etwas weiter in die Basse Normandie fahren und mir endlich einmal den Mont Saint Michel ansehen. Die Wetteraussichten versprechen nichts Gutes, aber das hat für mich vier Tage vor Abreise noch keinen Wert. Immer wieder ziehe ich am Abend die Landkarte hervor und überlege mir eine kleine Route, die mit einer Übernachtung machbar ist. Mehr und mehr schaut der Wikinger mir dabei über die Schulter und mischt sich ein. Ebenso wendet er ein, dass die Chance auf Sonnenschein am Wochenende besonders hoch ist. Aha. Er will also mitkommen. Ich wäge ab: Eine Tour zu zweit ist bestimmt viel spaßiger als allein. Dafür wird der Heilige Michael am Samstag bestimmt überrannt werden. Na gut. Wir packen für den Notfall Zelt und Schlafsäcke ein und machen uns mit leichtem Gepäck zusammen auf den Weg in die Manche.
 
220 Kilometer sind bis zum Mont Saint Michel zu fahren. Wir nehmen die Autobahn, passieren die Pont Normandie um kurz nach 9 Uhr und fädeln in Richtung Caen ein. Franks Lieblingstempo auf der Autobahn ist 140km/h, meins ist maximal 120. Er lässt mich vorfahren und schließt dicht hinter mir auf. Mich nervt das total und ich winke ihn vorbei. Wenn ich hinter ihm fahre, kann ich mehr mein Ding machen, als wenn er mir auf  der Pelle hängt. Hiernach ist alles gut, er trabt gemütlich voran und ich muss meine Vulcan schon ein bisschen antreiben. Wie ich so seine zwei Becher auf der Gepäckrolle vor sich hinhüpfen sehe, bin ich froh, dass wir nun zu zweit unterwegs sind.
 
Irgendwann fährt Frank von der Autobahn ab und wir erreichen einen Rastplatz, der den ersten zaghaften Blick auf den Mont Saint Michel freigibt. Ganz in der Ferne ist er zu ahnen. Ich bin aufgeregt und gleichzeitig treibt mich gar nichts an. Wir sind auf der Straße und vergessen die Zeit. Nach nur weiteren 30 Kilometern folgen wir bereits der Beschilderung zum Parkplatz und finden einen extra abgeteilte Bereich für Motorräder. Es ist 11.45 Uhr, um uns herum fangen die anderen Ankommenden bereits an, ihr Picknick auszupacken. Wir aber wollen erst einmal los spazieren. 
 
Über einen Damm ist der Felsbrocken, auf dem sich neben der Basilique auch ein kleines Dörfchen befindet, zu Fuß, per Fahrrad, Kutsche oder Bus zu erreichen. Wir brauchen eine gute Stunde für die knapp 3 Kilometer. Immer wieder halten wir an, machen Fotos und schauen in das Watt. Mister Oberpatriot, genannt der Wikinger, will mir als Besonderheit verkaufen, dass der Mont Saint Michel bei Marais Bas (Niedrigwasser) trocken fällt. Ich kann nur müde lächeln. So sind die Franzosen, Reisen überwiegend im eigenen Land und denken, dass dies das Maß der Welt ist. Ich berichte ihm von unserem Wattenmeer, den Halligen, davon dass die Südspitze von Sylt immer kürzer wird und auch in Hamburg bei Ebbe einige Kanäle trocken liegen. Ich fühle mich zu Hause in dieser Landschaft. Allerdings ist mir die Kargheit der Halligen lieber, als der Überfluss auf dem Mont Saint Michel. Ich muss immer wieder lachen, wenn ich mir vorstelle, man hätte solch einen Prunk und Protz auf unseren Warften. Das passt irgendwie gar nicht zu Norddeutschland.
 
Auf dem Felsen ist der Teufel los. Wie erwartet drängen sich Touristen von überall her durch die engen Gassen. Obwohl ich das eigentlich nicht so gern habe, finde ich mich hier in einer mittelalterlichen Szenerie wieder. Ich habe den Eindruck, Teil eines vergangenen Jahrhunderts zu sein. Irgendein wichtiges Ereignis lässt das Volk auf die Straßen strömen. Vielleicht ist der König angekommen?
 
Als wir endlich bei der Kirche ankommen, werden wir mit einer unendlichen Warteschlange konfrontiert. Wir schätzen die Wartezeit auf mindestens eine Dreiviertel Stunde. Dazu haben wir keine Lust. Auch wenn der Besuch eigentlich Pflichtprogramm wäre, so ist er mir nicht ausreichend wichtig, um nun Ewigkeiten in der Mittagshitze zu warten. Die Normandie ist voller Kirchen und Kapellen. Ständig ist man dem Leiden Christi ausgesetzt und mir ist das immer wieder zu eng, zu schwer, zu kalt. Auch wenn ich die Architektur und die Kirchenkunst sehr beeindruckend finde, so sind mir die sich wiederholenden Motive irgendwann zu viel des Ganzen. Wir bummeln lieber weiter und als wir nach 2 Stunden endlich in einem kleinen Restaurant Platz nehmen, weiß ich, dass ich morgen Muskelkater haben werde.

Mehr Infos und viele Fotos zum Mont Saint Michel findest Du hier: Klick!

 

 
 
 
Wir nähern uns.

 


 
 
 

Kommentare:

  1. Dieser Umstand, daß in Hamburg manche Fleete zweimal am Tag trockenfallen, ist sogar manchem Hamburger nicht geläufig. Lögenhaft to vertellen, aber ich habe da schon recht erstaunte Gesichter erlebt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt Fleet! Beim Erzählen auf Französich kannte ich den richtigen Begriff nicht und habe es Kanal genannt. Jetzt beim gedanklichen Rück-Übersetzen bin ich dann zu eng am Original geblieben.... Lost in Translation.

      Löschen
    2. Stimmt Fleet! Beim Erzählen auf Französich kannte ich den richtigen Begriff nicht und habe es Kanal genannt. Jetzt beim gedanklichen Rück-Übersetzen bin ich dann zu eng am Original geblieben.... Lost in Translation.

      Löschen
  2. Au weia, Wurfen und Warfen waren das Ende meiner Karriere als Geografin ... *stöhn* ... :-D

    Boah, 120 auf der Autobahn. Respekt. Ich kann das auch hassen, wenn jemand hinter mir fährt, was der Gatte ständig macht ... um mich zu blocken. Ist ja eigentlich süß, aber nervig :-)

    Schöner Bericht mal wieder. Nur eines verwundert mich. Ihr wart um viertel vor 12 vor Ort und eine lange Schlange stand an. Warum waren die nicht zu Mittag? ... *lach* ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir waren sogar erst gegen 13 Uhr da oben. Die Leute standen mit dem Sandwich in der Hand in der Schlange :-)

      Löschen
    2. Wir waren sogar erst gegen 13 Uhr da oben. Die Leute standen mit dem Sandwich in der Hand in der Schlange :-)

      Löschen
  3. ist schon ein schicker Pickel der da aus der Erde kommt.

    AntwortenLöschen
  4. Kenn ich leider nur aus verschiedenen Comics. Wird gern als Schauplatz von Verbrechen genommen. ...
    Schöner Flecken Erde...kein Pickel.

    AntwortenLöschen