Sonntag, 1. Mai 2016

8.549 - 8.867 - Pferdchen lauf Galopp

Meine Katzen wecken mich meist gegen 3 Uhr nachts, weil sie dann Lust haben, zu spielen - niedlich die lieben Kleinen. Schließe ich die Schlafzimmertür, bitten sie unter Einsatz von Pfoten und Krallen um Einlass. Im Urlaub habe meine Ruhe und kann mal durchschlafen. Das sind meine letzten Gedanken, als ich im Formule 1 gegen neun Uhr abends in das Land der Träume reise. Nur wenige Momente später fahre ich aus den Kissen, weil im Nachbarzimmer jemand lautstark an die Tür klopft. Benebelt schaue ich auf die Uhr - es ist 3.05 Uhr. Das kann doch wohl nicht wahr sein!!
 
Hellwach schaue ich mir die WetterApp im Handy an. Lille 2 Grad, Amiens 3 Grad. Ab 9 Uhr 5 Grad, danach ansteigend auf 10. Es bleibt kalt, aber trocken. Ich schalte mein Hörbuch noch einmal ein und lausche dem Côte Azur-Krimi einige Minuten, bevor ich weiter schlafe.
 
Mein Wecker klingelt um 6 Uhr, ich mag nicht aufstehen. Ist ja auch egal, ob ich um 7 Uhr, oder um 8 Uhr losfahre. Es sind nur noch 300 Kilometer. Ich werde also auf jeden Fall heute ankommen. Ich bleibe noch etwas liegen und gehe im Kopf die Route durch. Auf meinem Facebook finde ich Anfeuerungsrufe von Freunden und Bekannten. Als ich mich um 7 Uhr aufrichte, kommt sofort die Reiselust zurück. Voller Energie packe ich meinen Kram zusammen und esse die letzte Lunchbox leer. Wo sind denn die Ersatzakkus meiner Kameras? Oh nein, sag nicht... Doch... oh Mist. Sie sind in der Fototasche, die ich letztendlich doch noch zu Hause gelassen hatte. In den kleinen Innentaschen. Och Mensch, meine Actioncam war doch gestern schon leer! Wie blöd. Scheißdreck! Ich stecke den kleinen Akku noch schnell in das Ladegerät und hoffe, dass ich mit ein bisschen Saft wenigstens eine kurze Strecke ablichten kann.
 
In 2 von meinen 4 Schichten Kleidung packe ich mein Motorrad und ziehe mich anschließend vollständig an. Als ich das Ladegerät aus der Steckdose nehme, stelle ich fest, dass es aufgrund eines Wackelkontaktes gar nicht geladen hatte. Ich lasse die Ohren hängen und verfluche mich selbst.
 
Während ich im September mit einer Sichtweite von ca 30 Metern aus dem Centre Commercial gestartet war, geht es heute um punkt 8 Uhr bei kalter Luft und blauem Himmel auf die Straße. Heat Max wärmt Schuhe und Handschuhe nun schon von Beginn an und trotz der niedrigen Temperaturen, werde ich in den folgenden 4 Stunden nicht einen Moment frieren. Nach einer halben Stunde tanke ich der Guten eine Ladung 98 Octan (was es in Holland und Belgien nicht gab) und springe sofort wieder in den Sattel. Wir sind quietschvergnügt und meine Petite Jolie Vulcan galoppiert mit gespitzten Ohren eifrig gen Westen. Ich muss sie echt zügeln, als sie mit 130 über die trockene Fahrbahn flitzt. Dafür ärgert sie mich mit besonders blitzendem Chrome, und blendet mich in den Augen. Mein lustiges tapferes Pony.
 
Wir lassen das Tal der Somme hinter uns und in Poix de Picardie halte ich noch einmal in der Hoffnung, dass meine Action Cam vielleicht noch die Einfahrt in die Normandie dokumentieren wird. Während ich meinen kleinen Kaffee trinke, bastele ich die Kamera am Gepäck fest, schalte sie ein und ernte ein "Batterie schwach", bevor sie sich wieder ausschaltet. Nun gut.
 
Tatsächlich sehe ich nach einigen Kilometern die beiden so geliebten Schilder. "Willkommen in der Haute Normandie"  und "Departement Seine-Maritime" folgen kurz aufeinander. Ich winke jubeld nach rechts den Schildern zu und balle die Becker Faust. Als ich mich wieder auf die Fahrbahn konzentriere, sehe ich links im Augenwinkel ein Auto neben mir. Die Insassen glotzen mich mit großen Augen ungläubig an. Als ich zurück glotze, setzen sie ihren Überholvorgang fort. Ja nun, fahrt Ihr mal so einfach mit dem Moped durch ganz Europa! Naja, West Europa. Na gut einen Teil von West Europa..... Trotzdem bin ich stolz. Ich hoffe, dass mir das Reisen nie egal sein wird. Dass ich niemals zu abgebrüht sein werde, die kleinen Momente groß zu feiern.
 
Ebenso feiere ich die Einfahrt in mein Dörfchen. Ich biege in die Straße meines Wikingers ab und sehe in ca 200 Metern Entfernung sein Haus stehen. Ich hupe wie verrückt und als ich sehe, dass Fenster und Türen bereits einladend offen stehen, mache ich noch mehr Lärm, in dem ich ausgekuppelt am Gasgriff drehe. Ich nehme den Kiesweg um das Haus herum, schon öffnet sich das große Schiebetor und Frank steht lachend vor mir.
 
Er zeigt gen Himmel. Schäfchenwolken auf blauem Grund. Bienvenue en Normandie.


Kalt aber sonnig in die zweite Etappe
Und es ist geschafft!

 






 
 
Bienvenue en Normandie
 
Ich bin irgendwie 1.016 km gefahren. Das lag wohl am Umweg in Lille. :-)
 

Kommentare:

  1. Meine Güte! Was Du da immer für Riemen runterreißt! :)
    Hab auf jeden Fall eine schöne Zeit in der Normandie!

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    1. Ich werde es ganz entspannt genießen! Bin voll dabei!!

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  2. Respekt! Und die Generalprobe hat doch etwas gebracht. Viel Spaß im Westen und ich wünsche euch entspannte Runden in der Gruppe. Ich zieh am Donnerstag den 3GT nach Osten rüber.

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    1. Gute Himmelfahrtsreise! Ich bin gespannt was Du aus dem osten berichtest ;-)

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  3. Willkommen im Paradies... so sieht es jedenfalls aus ;-)

    Statt Akku würde vielleicht auch Zigarettenanzünderstecker und Kabel helfen. So lade ich immer meine Kamera, mein Mobilfon und andere Geräte auf.

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    1. Huhu! Ich habe doch gar nicht solche Technik an meinem Bike ;-) Ich habe einfach zwei neue Akkus im Internet bestellt. Gut dass ich hier eine Homebase habe, an der mich auch ein Päckchen erreicht.

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  4. Moin Polly, super,wir freuen uns auch schon auf August wenn es nach Frankreich geht. Wünsch dir heute erst mal ein gutes Frühstück
    Gruß Hansi

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    1. Hallo Hansi! Ihr fahrt doch in den Süden, oder? Da muss ich auch mal hin, wenn ich Zeit habe, aber das ist für mich dann auch die foppelte Strecke! Lieben Gruß an Euch Zwei!

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  5. Fein geschrieben und gefahren, lass dir die Sonne und die gute Laune gefallen, noch viel Spaß, Gruß Mark

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  6. Hey wie toll, da fahre ich doch einfach mit - wird mal wieder Zeit, dass ich durch die Normandie bike.
    Viel Spaß auf deiner Tour
    HerBert

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