Sonntag, 24. April 2016

Reisevorbereitung - Elbe-Seine zum Zweiten


Es soll wieder auf Reisen gehen. Natürlich in die Normandie, meine Parallelwelt, wie sich mein lieber Freund Arne neulich einmal ausdrückte. Das trifft es natürlich irgendwie, denn richtig zusammenfügen kann ich diese beiden Leben wohl erst einmal nicht.

Eigentlich hatte ich meine großen Ferien für den Sommer geplant und mich darauf gefreut, mit meinen Freunden, die dann ebenfalls Urlaub haben, zusammen zu reisen. Berufliche Veränderungen führen jedoch dazu, dass ich den Sommer über arbeiten muss und erst im späten Herbst wieder frei habe. Also nutze ich nun den Mai für eine zweiwöchige Tour nach Frankreich. Nachdem ich das Abenteuer im September erstmals erleben durfte und inzwischen ein paar Kilometer mehr auf dem Zähler habe, fällt es mir heute leichter, die Anforderung der langen Strecke einzuschätzen. Um tatsächlich viele Tage vor Ort zu haben, möchte ich die Hin- und Rückreise in jeweils 2 Tagen schaffen. Sofern das Wetter mitspielt, ist das machbar.

Das Wetter spielte auch beim letzten Mal eine große Rolle. Morgendlicher Nebel kriecht in alle Poren und kühlt den Körper aus. Trotz meiner guten Kleidung, war ich auf der zweiten Etappe durch die Picardie der beißenden Feuchtigkeit ausgeliefert. Als dann in der Normandie der heftige Regen einsetze, habe ich mich nicht einmal mehr mit einem Tee an der Tanke aufwärmen können.

Zweites wichtiges Thema ist die Nahrungszufuhr. Auch hier werde ich mich für die nächste Reise besser präparieren. Als ich im September von Le Havre nach Hamburg fuhr und die Strecke in 14 Stunden machte, war ich am nächsten Tag total verkatert und konnte mich kaum bewegen. Ich hätte mir viel mehr Zeit nehmen müssen, an den Tankstops genügend zu trinken und zu essen. Als ich die Strecke früher regelmäßig mit dem Auto fuhr, hatte ich immer Unmengen von belegten Broten, Keksen, Obst, Säften und Wasser auf dem Beifahrersitz liegen. Von den 9 Stunden Fahrt habe ich die Hälfte der Zeit gegessen und den Rest der Fahrt laut zur Musik gesungen. Das alles geht auf dem Motorrad nicht. Zudem höre ich sehr ungern Musik unter dem Helm und noch weniger gern mag ich Rocksongs in die Kugel brüllen, die meinen Kopf umschließt. Gegen die Langeweile auf der Autobahn helfen also nur viele Pausen. Ich werde meine Foto-Leidenschaft aktiv in die Fahrt einbauen und mir vielleicht ein Raststätten-Thema ausdenken, welches mich immer weider einige Minuten von der Piste ablenkt.

Und was gehört für mich noch zur wichtigsten Ausrüstung?

"Fiffie"
Fiffie ist ein Rückenwärmer aus Wolle. Vor meiner ersten Reise nach Frankreich hatte meine Freundin Frl Swing mir dieses Teil auf ihrer Strickmaschine angefertigt, während ich daneben saß und Donauwelle gefuttert habe. Fiffie ist aus dünner flauschiger Wolle, passt unter jede Klamotte und fühlt sich sehr weich auf der Haut an. Er wärmt so wunderbar den unteren Lendenbereich, nämlich genau unterhalb des Nierengurtes, dass ich am Rücken nie friere. Ein kleiner Fiffie von großem Nutzen.

Mein Imprägnierspray
Auch hier geht es wieder um gute Kleidung, denn das ist für mich das A & O beim Motorrad fahren. Sicher soll sie sein, im Sommer luftig und - noch viel wichtiger!! - in den anderen 9 Monaten soll sie warm und trocken halten. Und gut aussehen will ich auch noch. Das Imprägnierspray wende ich regelmäßig auf allem an, was nass wird. Jacke, Hosen, Handschuhe, Stiefel. Und es hält super!

Meine gelbe Weste
Meine gelbe Weste hat mir zu Beginn meiner Biker-Karriere psychologischen Halt gegeben. Inzwischen trage ich sie nicht mehr so häufig, aber immer in brenzligen Situationen, vor allem, wenn ich allein außerhalb der Stadt unterwegs bin und nicht den Schutz vieler Motorrad-Lichter genieße. Bei schlechter Sicht, bei Dunkelheit auf Autobahn und Landstraße und in Belgien. Dieser Fetzen Ritterrüstung kann Leben retten. Das merke ich immer dann, wenn ich mich freue, wie gut ich andere Biker mit der gleichen Einstellung wahrnehme. Gesehen zu werden macht Spaß!

Meine Handyhalterung
Ich bin zu geizig, mir ein Navi zu kaufen. Die Dinger kosten zwischen 250 und 600 Euro und noch nicht ein Produkt hat die Note "Sehr Gut" erhalten. Da warte ich noch einmal ab. Auf langen Strecken nehme ich mir eine Landkarte mit. Die Eckpunkte der Reise lerne ich auswendig und folge der Beschilderung. Nachdem ich jedoch in heimischen Regionen so manchen Umweg auf den Dörfern gefahren bin und immer wieder anhalten musste um den Routenplaner im Handy zu befragen, habe ich mir für 25 Euro eine wasserfeste Handytasche gekauft. Diese lässt sich am Lenker befestigen und das Handy kann temporär als Navi eingesetzt werden. Kostengünstige und effiziente Lösung, auch wenn das Display nicht immer ganz perfekt lesbar ist.

Mein Fahrradschloss
Zusätzlich zum Bremsscheibenschloss nebst Kette habe ich auch immer ein kleines Fahrradschloss an Bord, mit dem ich meinen Helm an der Sissybar festschließe. Ich leide nämlich unter Helmklauphobie und möchte meine Kopfbedeckung weder am Bike noch auf der Sitzbank einer Raststätte ablegen müssen, um Fritten, Kaffee und Torte sicher auf dem Tablett zum Tisch transportieren zu können.

Meine Actioncam
So mancher früherer Reisebericht lässt verlauten, wie schade ich es fand, bestimmte Szenen auf der Straße nicht festhalten zu können. Irgendwann stolperte ich in einer Facebook-Gruppe über ein tolles Actionphoto. Der Fotograf erklärte, dass er das Bild mit einer sehr simplen Kamera aufgenommen hatte. Nun wollte ich auch so etwas! Ich entschied mich für die Qumox J4000 für 87 Euro. Ein überschaubarer Betrag, um so etwas einmal auszuprobieren. Auch wenn die Kamera simpel ist und die Fotos per Zufall geschossen werden, liebe ich sie sehr. Ich betrachte die Bilder aus meiner Perspektive und träume sofort von meinen Reisen. Diese Anschaffung hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Meine Wärme-Umschläge
Wieder sind wir beim Thema Wärme. Aber ich sage Euch: Nach 7 Stunden auf dem Bike, schnurre ich seelig, wenn ich mir diese kleinen Wunder um die Schulten lege. Sollte ich mich wieder stundenlang durch dicke Nebelfelder quälen müssen, würde ich die Wärme-Umschläge sogar direkt unter das T-shirt ziehen und mich so noch stärker vor Auskühlung schützen.

Meinen Organspenderausweis
Kling makaber. Ist aber so. Einen Tag vor meiner Führerscheinprüfung Ende August erhielt ich einen Brief von meiner Krankenkasse. Dieser enthielt eine Informationsbroschüre zum Thema Organspende und einen entsprechenden Schnippie zum Ausfüllen des Ausweises. Eine Sekunde lang frug ich mich, woher die Krankenkasse denn weiß, dass ich nun ab morgen Motorradfahrerin sein möchte. Weiß sie nicht, war wohl reiner "Zufall". Ich nahm es als Zeichen und füllte sorgsam aus, dass mir alles entnommen werden darf, was ein anderer gebrauchen könnte. Ich bin organisch ein ziemlich gesunder Mensch und gebe gern weiter, was von mir im Todesfall noch übrig ist. Vielleicht habe ich damit auch den Segen des Biker-Gottes. Wer weiß?!

Meine diversen Glücksbringer


Natürlich legt der Weltenbummler auf ganz andere Dinge wert. Doch ich bin ja kein Weltenbummler, sondern ein Ponymädchen in Westeuropa. Und ich probiere aus, erfahre und lerne. 

Was sind denn Eure liebsten Reiseutensilien?

Kommentare:

  1. Sehr interessant. Abgesehen von Karten, Kulli, Navi, Smartphone und Kabelgedöhnse nehm ich eigentlich nix Besonderes mit. - Wie und wo befestigst Du die Actioncam?
    LG Susy

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  2. Hallo Susi! Ich habe allerlei Halterungen für die Kamera. Ich befestige sie gern am Helm für Bilder aus meiner Sicht. Am Lenker für Bilder von mir oder - mehr aus Spaß und für den Effekt - am Sturzbügel für asphaltnahe Aufnahmen. Blättere mal durch meinen Blog, da finden sich immer mal wieder Bilder aus verschiedenen Perspektiven. Ich glaube, der erste Bericht mit entsprechenden Fotos ist "Zeitreise" aus November 2015. Danach ist regelmäßig etwas zu sehen ;-)
    Lieben Gruß!

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    1. Oh, da habe ich offenbar noch eine Menge aufzuholen. Werde mal in Ruhe durch Deine Berichte stöbern; perfekte Beschäftigung für die ollen Regentage. Aber zum Wochenende wird's angeblich besser, hoffentlich pünktlich zu Deinem Tourstart. Ich drück Dir ganz fest die Daumen! LG

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  3. Bei Deiner 14 Stunden - Tour, die Du da an einem Stück geschnupft hast, habe ich den Hut so tief es eben geht gezogen! Das war wahrhaftig ordentlich. Da mag ich mir vorstellen, daß Du am andern Tag wie Falschgeld rumgelaufen bist.
    Beim Fahren bin ich ganz oft lauthals am Singen. Alles, was mir so durch den Kopf geistert, von Beatles bis zu irgendwelchen spontanen Sachen, die mir einfallen durch Dinge, die ich unterwegs sehe. Je nachdem, wonach mir gerade ist. Auf ein Navi möchte ich im Auto heute eigentlich nicht mehr verzichten, aber am Motorrad habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Ich bin beruflich viel mit dem Auto unterwegs und mir ist es da aufgefallen, seit wir das Navi hatten, habe ich von der Strecke häufig nicht mehr viel mitbekommen. Früher habe ich den Rückweg eigentlich immer von alleine gefunden, aber wenn der Apparat uns hingeführt hat, habe ich auf einmal keinen Schimmer mehr, wo ich bin. Das wolle ich mit dem Motorrad nicht haben. Da ist der Weg und all die Eindrücke ganz besonders wichtig für mich. Und dann gibt es da bei mir in der Familie diesen Kartenspleen. Immer schon.
    Einen Organspendeausweis habe ich auch. Allerdings hatte ich den schon, bevor ich auf die Idee, Motorrad fahren zu wollen.
    Wenn ich länger unterwegs bin, egal womit, dann ist das bei mir auch immer die Überlegung, welche Kamera kommt mit. Und: Schwarzweiß oder Farbe. Das ist eine ganz wichtige Frage bei mir. Oft geht es im Vorfeld schon darum, was will ich dort sehen, was für Bilder machen. Und natürlich womit.
    Was sich gerne mitnehmen würde, das ist mein Stoffschaf. Aber die ist zu groß, als daß sie ohne weiteres ins Gepäck passte. Da muss ich dann also ohne auskommen...

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    1. Leider habe ich immer alle möglichen Kameras an Bord, damit ich auch vor Ort gut gerüstet bin. Aber für meine kleine Fotoreportage werde ich tatsächlich vorher festlegen, wie ich es gestalten möchte. Ich bin gespannt ob und wie es mir gelingt.

      Momentan macht mir das Wetter am meisten Sorge. Aber wie heißt es so schön? Wenn Engel reisen........

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    2. Mit "allen möglichen Kameras an Bord" bin ich auch früher in den Urlaub gefahren. Und mit noch viel mehr. Jetzt, seit dem Motorrad, habe ich gelernt, wie gut die Beschränkung sein kann. Da bin ich - außer der kleinen wasserdichten Kamera - mit nur einer weiteren unterwegs. Meist auch nur mit einem Objektiv. Dem Normalobjektiv. Damit war ich zum Beispiel im letzten Jahr auch auf meiner Zeitenreise gewesen und es hat sich wunderbar bewährt.

      Wann soll es denn losgehen mit Deiner Reise? Damit ich die Daumen für ein gutes Wetter drücken kann?

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    3. Bereis nächsten Samstag, am 30. April starte ich. Ich wollte gern sehr sehr früh los, damit noch möglichst wenig LKWs unterwegs sind. Auf der A1 ist es nicht so gemütlich wenn man mit 120km/h auf der mittleren Spur LKWs überholt und dann links die SUVs mit 200 angeprescht kommen. Aber wenn wir tatsächlich in der Früh nur 4 Grad haben, werde ich noch 2 oder 3 Stunden abwarten. Ich werde berichten ;-)

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    4. Da drücke ich die Daumen! Auf jeden Fall. Im Moment sieht es ja so aus, als würde es zum nächsten Wochenende besser werden.
      Autobahn ist eigentlich nie wirklich lustig. Man wird da durchgerüttelt und muss höllisch aufpassen. Als ich Gründonnerstag von Gründau zurückfuhr, da habe ich echt Respekt gehabt. An Frankfurt vorbei ist auch so eine Strecke, die unschön ist.
      Die A1 war, als sie noch zweispurig war, irgendwie gemütlicher fand ich. Da bin ich früher oft gefahren, wenn ich zur Family nach Delmenhorst wollte.

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  4. Die erste Reise im neuen Jahr ist jedesmal etwas Besonderes. Die erste lange Strecke, die erste Übernachtung mit Motorradgepäck, die ersten Reisefotos. Ich wünsche dir, dass es wieder ganz wunderbar wird.

    Früher ging es nur ums Motorradfahren. Lange Tagesetappen waren die Folge. Zelt aufschlagen bloß zum Schlafen. Dann wurde das Campleben immer wichtiger, zelten, ausruhen, lesen, kochen, schreiben, fotografieren, und ich hab schon am frühen Nachmittag mein Lager aufgeschlagen.

    Dann fing ich an, mehr zu besichtigen und nicht mehr an allem vorbeizudüsen, habe mir Sehenswertes aus dem Reiseführer notiert. Schließlich wurde das Schreiben der Reiseberichte immer aufwendiger und hat mir immer mehr Spaß gemacht. Und seit zwei Jahren ist es das Fotografieren, das mehr und mehr Raum einnimmt. Deshalb finde ich deine Idee mit der Photo Challenge auch richtig klasse. Ich darf mich nur nicht von Minya und ihren tollen Fotos demotivieren lassen. Als ich ihre tollen Aufnahmen gesehen habe, hab ich wochenlang keinen Spaß mehr am Knipsen gehabt. Hmpff...
    Aber: Man kann ja auch Spaß an einer Sache haben, für die man im Grunde kein Talent hat. :-)

    Gute Reise, Polly.

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    1. Das kenne ich, ich lasse mich auch gern entmutigen, wenn ich mich untalentiert finde. Doch in der Fotografie muss sich keiner Verstecken. Du bist doch eine wunderbare Geschichtenerzählerin. Ich blättere in Deinen Bildern und fühle mich, als wäre ich direkt mit Euch unterwegs, sitze stumm in der Szenerie und beobachte Euren Alltag....

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    2. Oh Svenja! Wenn ich gewusst hätte, was ich damit anrichte! Und ich sitze immer vor Deinen Berichten und bewundere die Bilder, die Du machst.
      Sich entmutigen zu lassen ist aber ganz falsch. Im Gegenteil, eigentlich sollte es dazu dienen, daß man mit frischem Mut selbst zur Tat schreitet.
      Mir geht es da genau wie Polly, ich habe immer das Gefühl mit dabei zu sein. Das geht mir bei Dir so, aber auch bei Polly.

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    3. Ach danke, du Liebe. Wir müssen unbedingt mal telefonieren wegen der Analogfotografie. Ich habe ein paar Fragen und vielleicht weißt du die Antworten.
      Wenn es mal passt bei dir.

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  5. Bei langen und etwas kälteren Touren möchte ich auf meine Stiefelheizung nicht verzichten wollen.
    Viel Spaß bei deiner Tour.
    Inbus

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    1. Das ist gar keine doofe Idee. Es gibt doch auch so wärmende Einlegesohlen.... oder diese Gelpads, die einen Chip enthalten, der eine wärmende Reaktion auslöst, wenn man ihn knickt. Den Tipp werde ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen, denn an meine kalten Füße in der Picardie erinnere ich mich auch noch gut.
      Vielen Dank lieber Herr Inbus und herzliche Grüße!

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