Samstag, 30. April 2016

7.850 - 8.549 - Eitel Sonnenschein: Holland lässt sich nicht lumpen!

"Wohin soll's denn gehen?" fragt mich ein älterer Herr, der seinen dunkelgrünen Polo betankt und mich derweil dabei beobachtet, wie ich den Reifendruck meiner PJV überprüfe. "Nach Frankreich, in die Normandie." Er strahlt über das ganze Gesicht und seine etwa 80jährigen Augen bekommen einen verträumten Glanz. "Ich war überall mit meinem Motorrad. In Europa und sogar auf dem Highway sixtysix. Ich habe mit meiner Honda Schädoo (er sagt das sehr hamburgisch) 150.000 km gemacht." Er holt sein altes Lederportemonnaie hervor und zieht das vergilbte Foto seiner Liebsten aus der Hülle. Verzückt blickt er auf die magere schwarze Japanerin. Ich bin gerührt. Wir tauschen noch ein paar Worte zum aufziehenden Regen und der Wettervorsage für Holland aus und inzwischen habe auch ich getankt. Er wünscht mir noch fröhlich Bon Voyage und fährt mit seinem Polo davon. Auf den Elbbrücken sehe ich ihn noch einmal, bevor er in Richtung Harburg abbiegt und ich mich für die A1 links einordne. Es ist 8.25 Uhr und ich bin wieder unterwegs.
 
Als ich im September zum ersten Mal mit meiner Vulcan nach Frankreich fuhr, machte ich mir am meisten Sorgen um die lange Strecke, die ich dann besser als erwartet gemeistert hatte. Allerdings hatte ich die Kälte und den Nebel unterschätzt und somit habe ich nun alles getan, um mich dieses Wochenende besser zu schützen. Ich trage über meiner Unterwäsche eine Thermoleggings, eine Jogginghose, einen wollenen Lendenwärmer und noch ein Elastikdings zum das Wolldings "Fiffie" an seinem Platz zu halten. Ich trage ein langärmliges Funktionsshirt, meinen Nierengurt, einen Funktionspulli, eine Wollweste, eine Fleecejacke und über all dem meine gefütterte Motorradkleidung. Um Platz im Gepäck zu sparen, habe den Rückenprotektor meiner Lederjacke noch mit in die Textiljacke geschoben, was kaum auffällt, mich allerdings noch voluminöser erscheinen lässt. Aber egal. Mein Aussehen ist mir heute echt nicht wichtig. Ich bin sogar ungeschminkt und trage keine Ohrringe.
 
Wie angekündigt regnet es und ich fahre gemächlich hinter einem LKW her. Tom sagte noch, dass er immer nur 80km/h fährt, wenn es kalt und nass ist, denn da merkt man eine deutliche Abnahme im Fahrtwind. Damit mich keine LKWs überholen müssen, bleibe ich bei 90km/h. Meine Laune ist nur deshalb noch nicht endgültig versaut, weil Wetter.de mir sagte, in den Niederlanden sei das Wetter am Samstag sonnig und vor allem regenfrei. Ich fahre also wie auch beim letzten Mal, hinter Wildeshausen von der Autobahn ab, um über Cloppenburg und Emmen in das Land der Wohnwagenreisenden zu gelangen. Die altbekannte Willkommensbrücke macht ihrem Namen alle Ehre und schickt mir tatsächlich ein paar Sonnenstrahlen. Mir ist echt kalt und ich nehme eine Ausfahrt um ein Päuschen einzulegen. Der mitgebrachte heiße Tee tut gut. Ich esse mein Pausenbrot (Hunger hatte ich schon seit Einfädelung in die A1, aber das ist ja auf jeder Klassenreise so) und wärme mich an dem warmen Körper meines Ponys. Die Sonne streichelt mein Gemüt und ich freue mich, dass ich nun doch noch einmal diese Strecke genommen habe, und nicht bis Aachen in Deutschland geblieben bin. Das ist zwar meine Auto-Route, doch diese Gewohnheit zählt auf dem Motorrad gar nichts.
 
Vor der Weiterfahrt klebe ich mir Heat Max für die Füße zwischen die Socken und hoffe, dass die kleinen Pads die versprochenen 38 Grad Wärme entwickeln, um meine Zehe wieder aufzutauen. In die Handschuhe schiebe ich mir kleine Heizpakete für die Hände. Ich tanke bei nächster Gelegenheit - die Tankleuchte stach mir schon unangenehm ins Auge - und bei teils bedecktem Himmel fällt meine PJV in einen gemäßigten Galopp.
 
In der Nacht zuvor hatte ich von Svenja geträumt. Eine bloggende Enduroreisende aus Kiel. Sie fährt gemütlich, hält oft an, fotografiert und schreibt. Kauft Entrecôte und brät dieses abends auf dem Zeltplatz. Vielleicht wollte sie mir im Traum noch mitgeben, dass ich mich wegen der langen Strecke nicht stressen soll. Irgendwann kommt man auf jeden Fall am Ziel an. Der Gedanke an Svenja, zügelt meine kurzzeitig aufgetretene Euphorie, vielleicht heute schon im Pays de Caux anzukommen. Sie hat recht. Ich habe Ferien. Da ich die Wegstrecke auswendig kenne, brauche ich kein Navi, keine Karte, keine Uhr, keinen Kilometerzähler. Ich lasse mich treiben.
 
Am frühen Nachmittag werde ich schrecklich müde. Seit ich denken kann, will mein Körper um 14.30 Uhr schlafen. Im Büro koche ich dann Kaffee und esse Obst. Heute ist Urlaub, ich darf also schlafen. So steuere ich einen Rastplatz an, lege mich auf eine Holzbank und dank Heat Max friere ich auch nicht. Keine Ahnung, wie lange ich da lag (ich hatte ja nicht auf die Uhr geschaut), aber eine halbe Stunde ist mindestens vergangen. Tee und Müsli-Riegel wecken mich und wir traben wieder los.
 
Alles klappt wie am Schnürchen. Der mysteriöse Antwerpen Ring, auf dem ich auch schon einmal verloren war, ist schnell gemeistert und ich rollte über Kortrijk auf die Landesgrenze zu. Frankreich 1,7 km steht auf dem Schild. Der Verkehr wird einspurig zusammen geführt und auf 30 km/h gedrosselt. Wir fahren von der Autobahn ab und kommen über einen großen Platz, der wohl früher der Verzollung von LKWs diente. Wir schleichen an Polizeiposten vorbei und werden dann wieder auf die 3 spurige Autoroute zurück geleitet. Ob die wohl nach Terroristen suchen?
 
Jedenfalls habe ich hierdurch die Einfahrt nach Frankreich verpasst und konnte gar nicht angemessen feiern. Dennoch bin ich fröhlich. Mein Körper fängt leise an zu mucken, so dass ich entscheide, die Autobahnkreuze bei Lille noch hinter mich zu bringen und dann ein Roadhouse zu finden. Ich verfahre mich, weil ich zu spät sehe, dass ich mich links halten müsste und den vierfachen Spurwechsel nicht mehr schaffe. So bleibe ich gleich ganz rechts und nehme die nächste Ausfahrt, um zu wenden. Moment Mal, die kenne ich doch! Ist das nicht das Centre Commercial, in dem ich letztes Mal nach langer Suche ein Hotel gefunden hatte? Jedoch sehen all diese Gewerbegebiete in Frankreich gleich aus, weil sich dort immer die gleichen Möbelhäuser, Elektronik-Händler, Supermärkte, Matratzenhöker und Klamottenläden befinden. Doch tatsächlich, ich folge meinen Erinnerungen und stehe vor dem mir vertrauten Formule 1. Impecable! Einwandfrei!!
 
Absatteln, einrichten, Nachrichten verschicken und das mitgebrachte Abendessen genießen. Was für eine reibungslose Fahrt. Obwohl ich noch etwas weiter hätte fahren können, bin ich rechtzeitig eingekehrt und mein Körper ist noch nicht am Ende. Das ist für mich tatsächlich ein Grund stolz zu sein. Früher bin ich viel zu oft über meine Grenzen hinaus gegangen. Ich kuschel mich wohlig ins Bett und schlafe gegen 21 Uhr glücklich ein. 

Abfahrt in Hamburg bei Regen


Wetter.de hilft bei der Streckenplanung


Wärmendes Picknick in Holland


Schläfchen
Und freudige Ankunft in Lille


























Keine Sorge, ich habe meinem tapferen Pony keine Leckerlies zugeworfen...


Go Go Go

Schon im September hatte ich mich von diesen Jungs zu meinem ersten großen Trip anfeuern lassen. Aufgrund des kalten Wetters ist die Hemmschwelle, mich auf die lange Reise zu begeben heute noch größer....Also:  Go Go Go!!

***
Déjà en mois septembre j'ai pris ce group allemand comme motivation pour mon premier grand voyage. En raison du froid j'ai une plus gande blocage de partir pour la longe route aujourd'hui, Alors.... Go Go Go !!

(I am not the owner of this video - all rights belong to the owner)

Mittwoch, 27. April 2016

Kilometer 7.665 - 7.845 Die verpatze Generalprobe



Eilig verlasse ich das Büro um 15 Uhr in voller Klamotte. Seit Tagen regnet es und auch heute schafft es der Wind nur selten, ein paar hellere Wolken heran zu wehen.

Um 16.30 Uhr will ich beim Fahrsicherheitstraining in Embsen sein. Der ADAC hat dort ein Trainingsgelände unweit der schönen Stadt Lüneburg, die ich auf jeden Fall im Sommer ab und zu anfahren werde. Normalerweise brauche ich eine gute Stunde dorthin, doch in Hamburg muss werktags immer eine halbe Stunde eingeplant werden, um gen Süden die Stadt zu verlassen. Der Weg über die Elbe ist mühsam und tatsächlich bewege ich mich bis Maschen mit 20km/h über die Autobahn.

Die Fahrt nehme ich als letzte Übung für meinen kommenden Urlaub. Bekanntlich wird die Show der Hammer wenn die Generalprobe ins Wasser fällt. Ich übe mich also auch in Optimismus. Wie geplant rolle ich um kurz nach halb fünf auf das moderne Trainingsgelände. Von außen nass, von innen kalt checke ich am Empfangstresen ein, unterschreibe mit klammen Fingern, dass ich Polly bin und stelle mich am Tisch der Gruppe 7 auf. After Work Kurvenspaß für Cruiser ist für heute geplant. Ich habe richtig Bock auf das Training, aber auch die Sorge, dass ich bei dem Regenwetter nicht ordentlich fahre und mir womöglich noch vor der Abreise meine Petite Jolie Vulcan kaputt mache. Moppel, Mutti und Kuki von der Cruiser Lounge treffen triefend nass im Foyer ein. Sie sind aus Lübeck angereist. Damit ist unser kleines Grüppchen befreundeter Biker komplett und wir warten auf den Rest der Teilnehmer, von denen nur noch einer erscheint.

















Auch in den anderen After Work Kursen ist die Präsenz von Motorradfahrern verhalten. Das Wetter ist echt zum Kotzen, um es mal klar zu sagen. Genau so sehen es auch die Trainer und sagen die Kurse kurzerhand ab. Wir werden auf irgendeinen anderen Termin umgebucht. Na super. Meine Enttäuschung ist groß, dennoch kann ich die Entscheidung total verstehen. Wenn man bei Starkregen klappernd auf seinem Motorrad hockt, kann man auch kein entspanntes Kurventraining absolvieren. Die Kälte lässt den Körper verkrampfen und der Regen gibt einem nicht das Selbstvertrauen, sich und das Bike an neue Grenzen zu führen.















Wo wir aber schon mal da sind, essen wir noch eine Currywurst, trinken Kaffee und tauschen Haustiergeschichten und Zweiradthemen aus. Und wo die anderen schon mal verfügbar sind, nutze ich die Gelegenheit, ein Stück des Weges in Gesellschaft zu fahren. Ich begleite meine 3 Freunde über die Landstraße in Richtung Norden und wir passieren die Elbe im schönen Städtchen Lauenburg. Gerade ist es auch recht trocken und ich genieße es, einen Leitwolf vor mir zu haben und ein kleines Rudel hinter mir. So gern ich allein reise und die Unabhängigkeit liebe, so entspannender ist es tatsächlich, sich ab und zu in einer Gruppe einzukuscheln. Schade, dass ich nun nicht doch noch meine Helmkamera ausgepackt hatte. Wir nehmen kleine Landstraßen und durchqueren die Stadt Büchen, in ich in meiner Kindheit und Jugend eine beste Freundin hatte. Wir sind zusammen zum Reiten gegangen und in's Freibad und zur Scheunenfete. Und ich habe in Büchen das erste mal einen Jungen geküsst. Wie hieß er denn noch? Ach ja, da fällt es mir wieder ein. Der wohnte in Hornbek an der Autobahn, wo gerade düstere Wolken aufziehen. Ich blinke, winke meinen Begleitern zu und biege auf die A24 gen Hamburg ab, wo der Zorn des Verflossenen mir einen eiskalten Regenguss schickt. Direkt am nächsten Parkplatz fahre ich wieder raus und krame meine gelbe Weste hervor. Jetzt allein im Platzregen fühle ich mich nicht mehr so behütet wie mit Mutti und Moppel hinter mir.

A propos..... Ich muss mich outen. Ich schäme mich auch dafür in dieser Sache so ein Mädchen zu sein.... Aber ich kann mir nicht helfen. Es vergeht einfach nicht. Ich kann es nicht unterdrücken. Wenn ich in einer Cruiser-Gruppe fahre und in meinem Rückspiegel behelmte Männer mit Sonnenbrillen und glänzenden Gabeln in der Abenddämmerung sehe, bin ich hin und weg.... Oh mein Gott, das ist so.... sexy!

Die letzten Kilometer nutze ich für eine Abkühlung im Wolkenbruch und hoffe, dass der Aberglaube mit der verpatzten Generalprobe stimmt. Meine nächste Fahrt wird eine größere Reise sein.

Am Ende eines verregneten Tages...

Montag, 25. April 2016

Reisevorbereitung kulinarisch

Um mich durch das schlechte Wetter nicht entmutigen zu lassen, schlemme ich schon 'mal französische Landhausküche... Mehr zu den wärmenden Speisen findet Ihr in Pollys Welten.

Sonntag, 24. April 2016

Reisevorbereitung - Elbe-Seine zum Zweiten


Es soll wieder auf Reisen gehen. Natürlich in die Normandie, meine Parallelwelt, wie sich mein lieber Freund Arne neulich einmal ausdrückte. Das trifft es natürlich irgendwie, denn richtig zusammenfügen kann ich diese beiden Leben wohl erst einmal nicht.

Eigentlich hatte ich meine großen Ferien für den Sommer geplant und mich darauf gefreut, mit meinen Freunden, die dann ebenfalls Urlaub haben, zusammen zu reisen. Berufliche Veränderungen führen jedoch dazu, dass ich den Sommer über arbeiten muss und erst im späten Herbst wieder frei habe. Also nutze ich nun den Mai für eine zweiwöchige Tour nach Frankreich. Nachdem ich das Abenteuer im September erstmals erleben durfte und inzwischen ein paar Kilometer mehr auf dem Zähler habe, fällt es mir heute leichter, die Anforderung der langen Strecke einzuschätzen. Um tatsächlich viele Tage vor Ort zu haben, möchte ich die Hin- und Rückreise in jeweils 2 Tagen schaffen. Sofern das Wetter mitspielt, ist das machbar.

Das Wetter spielte auch beim letzten Mal eine große Rolle. Morgendlicher Nebel kriecht in alle Poren und kühlt den Körper aus. Trotz meiner guten Kleidung, war ich auf der zweiten Etappe durch die Picardie der beißenden Feuchtigkeit ausgeliefert. Als dann in der Normandie der heftige Regen einsetze, habe ich mich nicht einmal mehr mit einem Tee an der Tanke aufwärmen können.

Zweites wichtiges Thema ist die Nahrungszufuhr. Auch hier werde ich mich für die nächste Reise besser präparieren. Als ich im September von Le Havre nach Hamburg fuhr und die Strecke in 14 Stunden machte, war ich am nächsten Tag total verkatert und konnte mich kaum bewegen. Ich hätte mir viel mehr Zeit nehmen müssen, an den Tankstops genügend zu trinken und zu essen. Als ich die Strecke früher regelmäßig mit dem Auto fuhr, hatte ich immer Unmengen von belegten Broten, Keksen, Obst, Säften und Wasser auf dem Beifahrersitz liegen. Von den 9 Stunden Fahrt habe ich die Hälfte der Zeit gegessen und den Rest der Fahrt laut zur Musik gesungen. Das alles geht auf dem Motorrad nicht. Zudem höre ich sehr ungern Musik unter dem Helm und noch weniger gern mag ich Rocksongs in die Kugel brüllen, die meinen Kopf umschließt. Gegen die Langeweile auf der Autobahn helfen also nur viele Pausen. Ich werde meine Foto-Leidenschaft aktiv in die Fahrt einbauen und mir vielleicht ein Raststätten-Thema ausdenken, welches mich immer weider einige Minuten von der Piste ablenkt.

Und was gehört für mich noch zur wichtigsten Ausrüstung?

"Fiffie"
Fiffie ist ein Rückenwärmer aus Wolle. Vor meiner ersten Reise nach Frankreich hatte meine Freundin Frl Swing mir dieses Teil auf ihrer Strickmaschine angefertigt, während ich daneben saß und Donauwelle gefuttert habe. Fiffie ist aus dünner flauschiger Wolle, passt unter jede Klamotte und fühlt sich sehr weich auf der Haut an. Er wärmt so wunderbar den unteren Lendenbereich, nämlich genau unterhalb des Nierengurtes, dass ich am Rücken nie friere. Ein kleiner Fiffie von großem Nutzen.

Mein Imprägnierspray
Auch hier geht es wieder um gute Kleidung, denn das ist für mich das A & O beim Motorrad fahren. Sicher soll sie sein, im Sommer luftig und - noch viel wichtiger!! - in den anderen 9 Monaten soll sie warm und trocken halten. Und gut aussehen will ich auch noch. Das Imprägnierspray wende ich regelmäßig auf allem an, was nass wird. Jacke, Hosen, Handschuhe, Stiefel. Und es hält super!

Meine gelbe Weste
Meine gelbe Weste hat mir zu Beginn meiner Biker-Karriere psychologischen Halt gegeben. Inzwischen trage ich sie nicht mehr so häufig, aber immer in brenzligen Situationen, vor allem, wenn ich allein außerhalb der Stadt unterwegs bin und nicht den Schutz vieler Motorrad-Lichter genieße. Bei schlechter Sicht, bei Dunkelheit auf Autobahn und Landstraße und in Belgien. Dieser Fetzen Ritterrüstung kann Leben retten. Das merke ich immer dann, wenn ich mich freue, wie gut ich andere Biker mit der gleichen Einstellung wahrnehme. Gesehen zu werden macht Spaß!

Meine Handyhalterung
Ich bin zu geizig, mir ein Navi zu kaufen. Die Dinger kosten zwischen 250 und 600 Euro und noch nicht ein Produkt hat die Note "Sehr Gut" erhalten. Da warte ich noch einmal ab. Auf langen Strecken nehme ich mir eine Landkarte mit. Die Eckpunkte der Reise lerne ich auswendig und folge der Beschilderung. Nachdem ich jedoch in heimischen Regionen so manchen Umweg auf den Dörfern gefahren bin und immer wieder anhalten musste um den Routenplaner im Handy zu befragen, habe ich mir für 25 Euro eine wasserfeste Handytasche gekauft. Diese lässt sich am Lenker befestigen und das Handy kann temporär als Navi eingesetzt werden. Kostengünstige und effiziente Lösung, auch wenn das Display nicht immer ganz perfekt lesbar ist.

Mein Fahrradschloss
Zusätzlich zum Bremsscheibenschloss nebst Kette habe ich auch immer ein kleines Fahrradschloss an Bord, mit dem ich meinen Helm an der Sissybar festschließe. Ich leide nämlich unter Helmklauphobie und möchte meine Kopfbedeckung weder am Bike noch auf der Sitzbank einer Raststätte ablegen müssen, um Fritten, Kaffee und Torte sicher auf dem Tablett zum Tisch transportieren zu können.

Meine Actioncam
So mancher früherer Reisebericht lässt verlauten, wie schade ich es fand, bestimmte Szenen auf der Straße nicht festhalten zu können. Irgendwann stolperte ich in einer Facebook-Gruppe über ein tolles Actionphoto. Der Fotograf erklärte, dass er das Bild mit einer sehr simplen Kamera aufgenommen hatte. Nun wollte ich auch so etwas! Ich entschied mich für die Qumox J4000 für 87 Euro. Ein überschaubarer Betrag, um so etwas einmal auszuprobieren. Auch wenn die Kamera simpel ist und die Fotos per Zufall geschossen werden, liebe ich sie sehr. Ich betrachte die Bilder aus meiner Perspektive und träume sofort von meinen Reisen. Diese Anschaffung hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Meine Wärme-Umschläge
Wieder sind wir beim Thema Wärme. Aber ich sage Euch: Nach 7 Stunden auf dem Bike, schnurre ich seelig, wenn ich mir diese kleinen Wunder um die Schulten lege. Sollte ich mich wieder stundenlang durch dicke Nebelfelder quälen müssen, würde ich die Wärme-Umschläge sogar direkt unter das T-shirt ziehen und mich so noch stärker vor Auskühlung schützen.

Meinen Organspenderausweis
Kling makaber. Ist aber so. Einen Tag vor meiner Führerscheinprüfung Ende August erhielt ich einen Brief von meiner Krankenkasse. Dieser enthielt eine Informationsbroschüre zum Thema Organspende und einen entsprechenden Schnippie zum Ausfüllen des Ausweises. Eine Sekunde lang frug ich mich, woher die Krankenkasse denn weiß, dass ich nun ab morgen Motorradfahrerin sein möchte. Weiß sie nicht, war wohl reiner "Zufall". Ich nahm es als Zeichen und füllte sorgsam aus, dass mir alles entnommen werden darf, was ein anderer gebrauchen könnte. Ich bin organisch ein ziemlich gesunder Mensch und gebe gern weiter, was von mir im Todesfall noch übrig ist. Vielleicht habe ich damit auch den Segen des Biker-Gottes. Wer weiß?!

Meine diversen Glücksbringer


Natürlich legt der Weltenbummler auf ganz andere Dinge wert. Doch ich bin ja kein Weltenbummler, sondern ein Ponymädchen in Westeuropa. Und ich probiere aus, erfahre und lerne. 

Was sind denn Eure liebsten Reiseutensilien?

Dienstag, 12. April 2016

Kilometer 7.512 - 7.548 - Speicherstadt und Hafencity

>> Français en bas << 
 
Nachdem ich nach bestandener Führerscheinprüfung von September bis Dezember viele lange Tagestouren gefahren bin, komme ich zum Frühlingsbeginn noch nicht richtig aus dem Gummi. Ich hole zwar mehrmals die Woche meine PJV aus dem Stall, aber meistens sind es kleinere Ausflüge im Hamburger Raum. Mein Winter war lang, dunkel und voller beruflicher Anstrengung und ich sehne mich nach Licht, Freizeit und Menschen. Die Kombination von gemütlichem Cruisen in der Stadt mit Museums- und Café-Besuchen ist für mich gerade eine entspannte Rückkehr in das Outdoorleben.

Am Samstag habe ich Nestbau betrieben und meine Wohnung gemalert und umgestaltet. Nun geht es am Sonntag an die frische Luft. Ab in die Hafencity, das größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt Europas, das ich viel zu wenig kenne.

Typisch Polly: Wenn irgendwo ein Hype entsteht, wende ich mich erst einmal ab und lasse das Theater an mir vorbei ziehen. Jahre später, wenn die Aufregung sich legt, fange ich dann an, mich in Ruhe und sehr intensiv mit der Sache zu beschäftigen (sofern sie mich tatsächlich interessiert) und bleibe dann oft lange dran. So manches Mal habe ich echt lohnenswerte Dinge verpasst, aber ich kann mich nie überwinden, in der Euphorie anderer mit zu schwimmen.

In der Hafencity bin ich tatsächlich im Herbst 2012 zuletzt auf Erkundungstour gewesen. Damals war der Bau des ersten Quartiers seit 3 Jahren abgeschlossen und der Masterplan von 1998 wurde für die Fortsetzung des Vorhabens überarbeitet. An die historische Speicherstadt aus dem Jahre 1888 grenzten nun futuristische Wohn- und Bürogebäude mit unbezahlbaren Immobilienpreisen. Die Elbphilharmonie bemühte sich mit zweifelhaftem Ruhm und beschmutzter Ehre um ihre Stellung als neues Hamburger Wahrzeichen. Ich war eher genervt, als beeindruckt. Wohnraum schaffen: Ja! Nur für Reiche: Nein!! Zudem zeichneten sich bereits hohe Leerstände und ein schleppender Start für Gewerbetreibende ab. Sollte das Projekt Hafencity ein weiteres Milliardengrab in der Stadtgeschichte werden?

Inzwischen sind 3,5 Jahre vergangen, die Speicherstadt wurde zum Weltkulturerbe, während ich länger in Frankreich gelebt habe. Heute ist ein strahlender Hamburger Frühlingstag und ich schwinge mich auf mein tapferes Pony, um einen Freund zum Besuch des Prototyp-Museums zu treffen. Im Gegensatz zu mir kennt Jörn sich in der Hafencity super gut aus. Und so schlendern wir nach der Ausstellung und einem späten Mittagessen noch durch die Straßen.

Die U-Bahn U4 ist fertiggestellt, die Hafencity Universität ist eröffnet (Schwerpunkt Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Kultur der Metropole usw.), erste Schulen und Kitas haben den Betrieb aufgenommen. Die Begrünung einiger Straßen und die Errichtung von Parkanlagen ist erfolgt und zahlreiche Restaurants und Cafés laden zum längeren Verweilen ein. Im Kesselhaus informiert eine Ausstellung nebst großem Modell über die Entwicklung der Hafencity mit seinen 10 Quartieren. Es sollen ca 6.500 bis 7.000 Wohnungen entstehen, was eine Nutzung von 32% der Gesamtfläche ausmacht. 42% sind für Büroflächen, 15% für Bildungseinrichtungen und 11% für Einzelhandel und kleines Gewerbe vorgesehen.

Alle Grundstücke entstehen auf ehemaligem Hafen und Industriegelände, was bedeutet, das der Ausbau der Stadt nicht zu Lasten bestehenden Wohnraums erfolgt. Die heute "szenigen" Stadtteile Schanzenviertel und Ottensen sowie Teile von Sankt Pauli, Altona und sogar Wilhelmsburg wurden in den letzten 15 Jahren umfangreich saniert - mit dem Ergebnis, dass die "Aufwertung" ganzer Straßenzüge zur Ansiedelung hipper Neureicher führte und die früheren Bewohner auf die günstigeren Randgebiete ausweichen mussten, weil ihre gewohnte Umgebung schlicht nicht mehr zu ihrem monatlichen Budget passte. Zwar liegen auch in der Hafencity die Mieten zwischen 6,50 Euro (1. Förderweg) und 18,00 Euro pro Quadratmeter (freier Wohnungsmarkt), jedoch wurden für diese Preise keine eingesessenen Mieter vertrieben. Per heute bieten Immobilien-Portale 65qm-Wohnungen ab ca. 1.550 Euro zzgl. Nebenkosten an - das muss man erstmal verdienen. Dagegen werden aber ebenso Studenten gefördert und Wohngruppen für behinderte Menschen gebildet. Ich habe das  gute Gefühl, dass das 157 Hektar große Areal nach Fertigstellung im Jahre 2025 recht bunt sein wird.

Das maritime Flair ähnelt dem skandinavischer Großstädte und das macht mich glücklich. Jörn und ich erinnern uns daran, dass Kopenhagen, Stockholm und Co. in den Ranglisten der Städte mit der glücklichsten Bevölkerung immer sehr weit oben stehen. Auch der Aufschwung von moderner und hochwertiger Gastronomie lässt mich an Kopenhagen mit seinen jungen innovativen Köchen denken.

Ich merke schon: Bald verlasse ich meine Stadt nicht einmal mehr, um Urlaub zu machen. Zumindest wird es bei uns auf absehbare Zeit nicht langweilig und wir werden viel zu entdecken haben. Ich habe richtig Lust auf Hamburg und auf die Hafencity - und an einem so schönen Tag ignoriere ich auch jegliche Kritik und Streitereien, die immer solchen Projekten hängen. 

Natürlich zieht es mich dann doch immer wieder in die Normandie. Klimatisch und landschaftlich dem Norden Deutschlands doch sehr ähnlich, ist die Fahrt gen Südwesten durchaus auch immer wieder eine Reise in die Vergangenheit. Weltkulturerbe? In Le Havre mit seiner Nachkriegsarchitektur durchaus vorhanden. Innovation und Moderne? Hmmmm.......... *überlegt angestrengt*



Der historische Teil der Speicherstadt
Le vieux entrepôt
Das Automuseum Prototyp

Die Präsentation der Stadtentwicklung im Kesselhaus
L'exposition du developpement



Da ist noch gut zu tun / Il y a du boulot


 
Wechselnde Outdoor-Ausstellungen im Überseeboulevard
Expositions en extérieur


Regionale Produkte mediterran verfeinert


Hinten und rechts die alten Speicher, links die Verbindung zum neuen Viertel.
Arrière et à droite les vieux bâtiments d'entrepôt, à gauche la connexion avec le nouveau quartier.

En automne jusqu’au mois décembre j’ai conduit des longues excursions sur ma PJV. L’hiver était long, sombre et plein de travail et  j’ai hâte de retourner dans la lumière pour passer des heures congés avec des potes. Le printemps arrive lentement et je sors ma PJV pour des petites balades avec un musée à visiter et un stop dans un café.


Tout le samedi j’ai bricolé chez moi. Après finir la nouvelle peinture et la nouvelle décoration à la maison, je n’hésite pas de chercher mon Poney de son écurie pour aller à la « Hafencity », le plus grand projet d'expansion la ville en intérieur. Malgré je n’habite pas loin de ce nouveau terrain de la ville, je ne le connais pas encore beaucoup.

La dernière fois j’ai découvert le début du projet en 2012. Je n’étais pas très d’accord avec ces bâtiments modernes et futuristes à côté de la « Speicherstadt » qui était construit en 1888 comme entrepôt dans le vieux port d’Hambourg. En plus les appartements n’étaient pas payable pour le plus de la population. Fournir des logements : Oui ! Uniquement pour les riches : Non !

Pendant ce temps, 3,5 ans ont passés, la vieille Speicherstadt est devenu un site du patrimoine mondial, et moi j’ai vécu quelques temps en France.  Sous le soleil du printemps je suis tout joyeuse de conduire ma PJV au rendez-vous avec un ami pour visiter le « musée de prototype ». Contrairement à moi, Jörn connaît la HafenCity super bon. Après regarder l’exposition et déjeuner un bon truc régional, on décide de découvrir des nouvelles dans le coin.

Le métro U4 a été mise en exploitation, l'Université HafenCity est ouvert (l'accent sur l'architecture, le génie civil, l'urbanisme, la culture de la métropole, etc.), les premières écoles ont commencés le travail et l'engazonnement de certaines rues et la construction de parcs ont été réalisés. De nombreux boutiques, restaurants et cafés nous invitent à la flânerie. On regarde une exposition, avec un grand modèle du développement de HafenCity avec ses 10 districts. Il y a environ 6500-7000 appartements en construction ce qui constitue une utilisation de 32% du total. 42% de l'espace de bureau, 15% pour l'éducation et 11% pour les commerces de détail, boutiques et restauration.

Toutes les parcelles vont être construites sur une ancienne zone portuaire et industrielle. Comme ça l'expansion de la ville sera faite sans détruire l’espace de logement dans les anciens quartiers. Dans les dernières 15 ans on a remarqué des grands rénovations dans les vieux quartiers. Après les prix d’habitation augmentait énormément, n’étaient plus payable pour les anciens locataires. Dans la HafenCity le loyer se trouve entre 6,50 euros (promotion pour les pauvres et des étudiantes etc) et 18.00 euros par mètre carré (marché libre du logement), ce qu’est déjà un bon niveau. Mais il n’y avait pas les locataires depuis longue date qui sont parti en raison du prix cher.

L'ambiance maritime est similaire aux villes scandinaves ce qui me rend heureux. Jörn et moi souvenons que Copenhague, Stockholm et autres villes ont la population le plus heureux dans le classement des villes. On s'approche! En outre, l’arrivé  de la restauration moderne et de haute qualité laisse nous penser aux jeunes chefs novateurs à Copenhague.

Je remarque: Bientôt, je ne sors plus de tout de ma ville. Dans les prochaines années jusqu’à 2025, on aura assez à découvrir chez nous. Je suis d'humeur d'observer le progress et à une très bonne journée comme aujourd'hui j'ignore les critiques et les râleurs, qui sont toujours en unité avec un tel projet.

Bah ouais. La Normandie va m’appeler de temps en temps. Le climat et le paysage ressemble du nord de l'Allemagne, mais très similaire un voyage vers le sud-ouest est également tout à fait toujours un voyage dans le passé. Site du patrimoine mondial? Disponible dans Le Havre avec son architecture après-guerre. Innovation et modernité? Hmmmm .......... *laissez-moi réfléchir*



Dienstag, 5. April 2016

Pollys Welten

Neben meinen kleinen Motorradabenteuern spielt sich mein Leben ja sehr zwischen Elbe und Seine ab. Da ist meine Heimatstadt Hamburg, die mein Leben und meine Persönlichkeit prägt. Die kühle Perle im Norden, mit ordentlich Wasser und Natur, mit Industrie und schmutzigen Pötten.

Und da ist mein kleines Dorf auf dem Lande zwischen Le Havre an der Küste und Rouen im Osten der Haute Normandie. Weites Wikingerland mit reichlich Mineralöl- und Pharmaindustrie.

So ähnlich sich diese beiden Regionen optisch sind, so sehr unterscheiden sie sich im Inneren. In meinem neuen Blog Pollys Welten teile ich ein paar Eindrücke abseits der Motorradpisten. Ich weiß noch nicht wie es wird, aber lassen wir es einfach laufen und beginnen gemütlich mit einer kleinen Oase in Hamburg.



Sonntag, 3. April 2016

Heilige Therese

Nach unserer kleinen Statistentätigkeit und einem deutlich verspätetem Mittagessen überrede ich Frank noch, ein bisschen mit der Harley zu promenieren. Langsam kommt die Sonne hervor, und da das Osterwetter auch in der Normandie bescheiden ausfallen soll, wünsche ich mir noch einen Frühlingsausflug, bevor das Unwetter kommt.

Wie so oft sagt Frank mir nicht wohin es geht. Ich weiß auch nie, ob er wirklich einen Plan hat. Aber meistens kommen wir an schönen Orten an, und das ist ja die Hauptsache. Dieses Mal ist es die Basilique Sainte Thérèse in Lisieux, die mich am Karfreitag verzaubern soll. Und obwohl ich nicht christlich religiös bin, ist es wieder eine Kirche, die mich staunen lässt. Die Kunst, die dieses Bauwerk schmückt, ist für mich unglaublich. Die von 1929 bis 1954 für die Heilige Therese von Lisieux errichtete Basilique ist außen eher schlicht gehalten, überrascht dafür innen mit farbenfrohen Mosaiken.

Ohne weitere Worte: Hier ein paar Eindrücke in Bildern.

Die Basilique Sainte Thérèse von Lisieux


Bei der Menge an Mosaik musste ich mich erst mal setzen und staunen.



Am Ende zieht es mich regelrecht hinaus in den warmen Sonnenschein.