Freitag, 22. Januar 2016

Lagerkoller


„Polly, Du weißt schon, dass man über die Wetter-App das Wetter nur betrachten und nicht beeinflussen kann?“ frug mein Vater, als ich beim familiären Restaurantbesuch wiederholt die meteorologischen Daten abrief.

Ja das ist mir bekannt, aber ich wünschte, ich könnte es….

Was macht Ihr so im Winter?


Mittwoch, 13. Januar 2016

Über lebensmüde Vollidioten und kriminelle Tattooträger


Motorradfahrer treten in Horden auf und machen einen Höllenlärm. Sie fahren immer zu schnell und verursachen tödliche Unfälle. Wenn die Rocker in ihren Kutten kommen, sind Nutten und Waffen nicht weit. Und die Frauen, die selbst fahren, sind Mannsweiber mit wettergegerbten Gesichtern und Kurzhaarfrisuren in Aubergine. Zusammengefasst sind Motorradfahrer lebensmüde Vollidioten und die, die sich Biker nennen, sind kriminelle Tattooträger. Lediglich die Abenteurer genießen Bewunderung, doch die sind ja immer auf den Wüstenpisten unterwegs und nerven dort höchstens die Kamele.

Doch was macht das Biken auch für Polly-Normal-Verbraucher interessant? Und warum so eine ungelenkige und schwere Maschine, mit der man nicht einmal schnell fahren kann und der Kurvenspaß begrenzt ist? Ich habe mich einmal umgehört:

Arne sagt: 
Vulcan Rider sind glückliche Menschen weil sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Cruisen ist für mich ganz einfach Entspannung pur, von allen Unbillen die das Leben so bringen kann. Cruisen macht glücklich!! 

Kuki sagt:
Vulcan Rider sind keine Leute, die freiwillig die Lebensarbeitszeit verlängern, denn sie haben ein Hobby gefunden, welches den letzten Abschnitt des Lebens lebenswert machen.

Johnny sagt:
Cruisen ist auch für mich Entspannung pur! Nach der Arbeit oder nach Stress bisschen aufs Moped und ich bin wie ausgewechselt! Cruisen macht die Seele frei! Cruisen ist gut für uns.

Palemchen sagt:
Ein kluger Mensch sagte mal zu mir: "Wir leben nicht länger, weil wir etwas gefunden haben, das uns mit Freude erfüllt, aber wir leben mehr!" Diese "kleine Weisheit des Alltags" ist für mich auf jeder Tour mit dem Bike, ganz gleich wie lang oder kurz sie auch sein mag, ein ständiger Begleiter - denn ich habe selten etwas gehört, in dem (zumindest für mich) so viel Wahrheit steckt!

Hümmlinger sagt:
Vulcan Rider sind freundliche Menschen, weil sie andere Biker grüßen. Cruisen ist ein schönes Hobby, bei dem man rund kommt und schöne Aussichten genießen kann.

Old Biker sagt:
Cruisen ist sich den Wind ins Gesicht blasen lassen, den Kopf frei machen und die schöne Landschaft genießen und oft und nicht zu Letzt mit guten Freunden unterwegs sein.

Mutti sagt:
Vulcancruisen ist: Gefühl der Entschleunigung und der entspannten Wahrnehmung und das Sammeln von Eindrücken. Hin und wieder lernt man auch noch nette Leute kennen.

Moppel sagt:
Cruisen ist eine Frage der Einstellung zum Leben, immer mit der Ruhe und genießen was sich bietet

XRay sagt:
Moped fahren ist Entschleunigen, Cruisen, Entspannen. Das war dann so in etwa das "Motto" unserer Jahrestour 2015.

Robs sagt:
Cruisen ist für mich eine Art Entspannung!

Schattenmann sagt:
Vulcan Rider sind mir die liebsten Kameraden auf der Straße, Sie haben halt nur einen ganz anderen Bike-Geschmack (fährt Triumph Thunderbird LT).

Lurchi sagt:
Vulcan Rider sind super Kumpel. Cruisen ist die schönste Art der Fortbewegung. Cruisen macht den Kopf frei.

Sagte der Freund meines Sohnes Felix zu seinem nörgelnden Vater: "Du musst es machen wie Felix Papa - der fährt einfach eine Runde Motorrad, dann hat er wieder beste Laune!" - genau!

Schattenmann sagt:
Oder anders formuliert: Papa, ich hab´ was mit Dir zu bereden, aber das machen wir besser auf einer Motorradrunde. Und ob Ihr´s glaubt oder nicht, Cruisen öffnet die Seele und irgendwie wird das Leben ein Stückchen leichter.

Pit sagt:
Cruisen macht süchtig.

Und Polly sagt:

Vulcan-Rider haben viel mehr Urlaub
Jedes Wochenende ist ein kleiner Urlaub. Sobald ich die Wetterlage gecheckt und eine Tour überlegt habe, warte ich auf die Abfahrt. Ich verliere das Zeitgefühl und fahre bis zum Sonnenuntergang. Wenn ich montags in mein Büro gehe, habe ich das Gefühl, ich hatte Urlaub. Und das so ca. 30 Mal im Jahr!

Cruisen ist Zen
Mein Kawasaki-Händler sagt, mit einer Vulcan 900 geht man Blumen pflücken. Und das ist eine der vielen charmanten Beschreibungen des Cruisens. Mäßig motorisiert schlendere ich durch die Landschaft und halte an, wo es schön ist. Das Wichtigste dabei: Ich fahre so entspannt, dass ich schöne Ort sehe, rieche, fühle. Ein kleiner See, ein duftender Wald, ein sonniges Plätzchen. Stress beim Motorradfahren? Kenne ich nicht.

Cruisen macht schlank
Ja, kaum zu glauben. Vor allem, wenn ich einige der Männer betrachte, mit denen ich so meine Freizeit verbringe. Nachdem ich meinen Führerschein in der Tasche hatte, nahm ich 5 Kilogramm Gewicht ab. Das liegt daran, dass ich immer nach der Arbeit auf meine kleine Vulcan steige, durch die Gegend flaniere und nach der Heimkehr finde, es sei zu spät zum Abendessen. Toll – empfehlenswerter Sport!

Jo, so sieht das aus.....  (Foto: Palemchen)



Mittwoch, 6. Januar 2016

Kilometer > 85.000 (HD) - Vom Winde verweht


Es ist Montag Morgen nach dem Jahreswechsel. Ich schiebe die beiden Kater von meinen Beinen und mich selbst unter der Bettdecke heraus. Dreimal hat der Wecker geklingelt und das Radio dudelt seit über einer Stunde vor sich hin. Ich höre die Nachrichten und mein Kopf übersetzt sie automatisch in die französische Sprache. Ach nee, ich bin ja zu Hause. Zumindest dort, wo juristisch gesehen mein Lebensmittelpunkt ist. Da, wo ich Steuerinländer bin. Und da, wo meine Heimat ist.

Das Musikprogramm hat sich kaum verändert. Es ist, als wäre ich vor 2 Wochen hier ins Bett gegangen und heute wieder aufgewacht. Dazwischen liegt eine Reise in meine andere Welt. Die Katzen sind immer besonders gesprächig, wenn ich endlich wieder in meiner Hamburger Wohnung schlafe und die beiden leeren Koffer warten im Flur darauf, auf dem Dachboden verstaut zu werden.

Ich war mit dem Flugzeug gereist und hatte mein Motorrad in der Garage gelassen. Als ich im Oktober den Flug buchte, war ich mir sicher, dass ich zu Weihnachten kein Zweiradwetter haben würde und so wählte ich schweren Herzens die Verbindung über Paris Orly. Tatsächlich hatte ich 2 Wochen lang Temperaturen von durchschnittlich 13°C und so manchen sonnigen Tag. So bereute ich wirklich sehr, in Frankreich kein Motorrad zur Verfügung zu haben und nur der Gedanke, dass ja für Dezember solches Wetter nicht zu ahnen war, tröstete mich. Bei meiner Ankunft gestern waren 6 °C unter null und auf NDR2 wurde berichtet, dass aufgrund der Wetterlage in Ostfriesland die Menschen über Nacht am Bahnhof festsaßen. OK, das hätte mich dann auf dem Heimweg voll getroffen. Also doch gut, dass ich geflogen bin.

Ich suche nach ein paar Klamotten für das Büro und halte die Nase an die Tshirts, die ich als „sauber“ von meiner Reise mit zurück genommen hatte. Sie haben den vertrauten Geruch nach Lessive Lavage (Waschmittel), Kaminfeuer und altem Haus mit Hund. Das, was in der Normandie Gemütlichkeit ausstrahlt, ist hier in meiner kleinen Wohnung ein Grund für den Abmarsch in den Wäschekorb. Genauso hänge ich meine Lederjacke an die Garderobe und ziehe meinen warmen Wollmantel über. Zur Arbeit sind es zu Fuß nur wenige Minuten durch meinen Stadtteil. Putain, ça caille ! Ich stapfe durch den kalten Wind und erinnere mich daran, wie ich an der Seine-Mündung die Nase in die salzige Luft hielt.  Hier hatte ich mal wieder das Vergnügen, die alte Harley als Sozia zu genießen.

Leute hatten mir prophezeit, dass ich mich als Passagier nicht mehr gut entspannen könnte, sobald ich aktive Bikerin sei. Doch als ich 3 Tage nach meiner Ankunft endlich auf das Motorrad steige, ist alles wie immer: Ich habe volles Vertrauen, wenn der Wikinger mit seiner Maschine gemütlich über die Landstraße schaukelt und genieße es in vollen Zügen. Seinem Fahrstil nach zu urteilen gewinnt Frank, der eben noch morgenmuffelig vor sich hin murmelte, spürbar an guter Laune. Wir probieren unsere neuen Action-Cams aus. Nachdem ich mit meiner Qumox SJ400 sehr zufrieden bin, hatte Frank zusätzlich noch eine T’n’B zum gleichen Preis gekauft. Wir kombinieren unseren weihnachtlichen Einkaufsbummel also mit einer Testfahrt. Frank befestigt seine Kamera mittels Saugnapf mitten auf dem Helm und sieht wie ein Marsmännchen aus. Ich halte meine Kamera zunächst in der Hand und stelle den Fotomodus ein, der automatisch alle 5 Sekunden ein Bild schießt. Als wir die Seine bei Le Havre überqueren, passieren wir zunächst die Kanalbrücke, bevor es auf die große „Pont Normandie“ geht. Es stürmt gewaltig und Frank gibt mir ein Zeichen, ich solle seine Kamera festhalten, damit der Saugnapf sich nicht löst. Na toll, denke ich. Vor der Abfahrt hatte ich ihm noch klugscheißermäßig mein Sicherungsbändchen angeboten, aber er wollte es nicht haben. Obwohl die Kanalbrücke weniger hoch ist, liefert sie ihre Passanten mangels Windschutz gnadenlos dem Sturm aus. Wir kämpfen uns voran, meine Hand liegt auf dem Helm meines Fahrers und sichert die Kamera. Auf der anderen Seite atmen wir erleichtert auf. Nun folgt nur noch die Hochbrücke, die aber besser geschützt ist. Ich kauere mich auf meinem Sitz zusammen und wir machen uns an den Aufstieg. Wie wundervoll ist der Ausblick in dieser wilden Stimmung! Das möchte ich in Bildern festhalten und halte unvermittelt meinen rechten Arm nebst Fotoapparat raus, um ein Action-Selfie zu schießen. Sofort werde ich vom Sturm erfasst und es reißt mich fast rückwärts vom Bike. Vor Schreck schließe ich instinktiv die linke Hand und finde Halt an Franks Kamera. Ein Glück hält der Saugnapf anstandslos und ich rette mich zurück auf mein windgeschütztes Plätzchen hinter dem großen Mann. Das ist ja noch mal gut gegangen. Als wir in Honfleur ankommen, schaut Frank mich nur fragend an. Seinen Blick erwidere ich mit einem entschuldigenden Lächeln und berichte von meinem kleinen Missgeschick. Als ich die Gefahrensituation mangels Vokabular noch einmal erlebnisnah nachstelle, lachen wir beide Tränen.  Franks Film ist an dieser Stelle leider so verwackelt, dass er beim Kaffeekränzchen missmutig die Aufnahmen betrachtet und sich dabei mehrfach mit schmerzverzerrtem Gesicht den Nacken reibt. Mein armer Wikinger. Ein wahrer Kämpfer.

Beim nächsten Ausflug wird Frank seine Kamera am Sturzbügel außerhalb meiner Reichweite befestigen. Und tatsächlich werden wir unseren ersten kleinen Film zustande bringen. Aber das ist eine andere Geschichte…


Mal schauen, wie das klappt...
Grand Canal du Havre
Le Pont Normandie über die Seine

 


Ankunft im wunderschönen Honfleur

Oh je....
Auf der Weiterfahrt wird die Kamera abgesichert!