Dienstag, 29. Dezember 2015

Kawasaki Vulcan 900 - Testergebnisse, die wirklich stimmen

Ich habe meine Kawasaki Vulcan 900 Classic LT gekauft, bevor ich meinen Führerschein gemacht habe. Es war des Tipp meines französischen Franks, der der Meinung war, dass ich mit diesem Bike glücklich werden würde.

Also las ich im Internet alles, was ich über dieses Motorrad finden konnte. "Scheiß auf Testberichte, die stimmen eh alle nicht. Entweder Du kaufst Dir das Bike, mit dem Risiko, dass Ihr doch nicht zusammen passt, oder Du wartest Deinen Führerschein ab und machst Deine Testfahrt selbst." So oder so ähnlich äußerten sich die Auskenner. Ich fing an zu zweifeln. Die Berichte lasen sich doch so gut. Sollte das alles nicht stimmen?

Nun, nachdem ich die letzten paar Wochen der Saison noch ordentlich mitgefahren war, kann ich so manches Fazit bestätigen. Hier sind meine persönlichen Top 8 der treffendsten Aussagen:

"... bei günstigen Motorrädern wie der Honda Shadow 750 oder Kawasaki 900 Classic denkt der unbedarfte Nachbar neidvoll an sechs Richtige mit Zusatzzahl. Weit gefehlt. Für unter 9000 Euro gibt es hier die ganz große Show" (motorrad online 08/2010)

Genau!
Ich habe für meine Light Tourer-Ausstattung noch etwas oben drauf gelegt, aber die große Show ist sicher. Neulich halte ich an der Tankstelle, um mir nach dem sonntäglichen Ausritt eine Nudelsoße zu kaufen. Schaut die junge Kassiererin aus dem Fenster und sagt über den Kopf eines zahlenden Mannes hinweg:"Ist das Ihr Motorrad?" Ich:"Ähm, jaaa!? Damit bin ich doch gerade gekommen. Dann ist das wohl meins!" Leute kommen dazu, stellen sich in die Schlange, glotzen aus dem Fenster. Die Kassiererin wieder:"Ja, ich dachte nur, dass es ja vielleicht auch Ihrem Mann gehören könnte." Ich bezahle meine Nudelsoße und verschwinde. Während ich meinen Helm aufsetze und die Handschuhe anziehe, kommen andere Männer aus dem Shop. Bleiben stehen, begucken meine Vulcan und lachen mit mir über die Junge. Danke für die Show!

"Der kurzhubig ausgelegte Motor läuft weich. Vibrationen sind zwar spürbar, doch tun sie weiter nichts, als den Fahrer daran zu erinnern, einen Verbrennungsmotor zu bewegen. Das passiert wohlwollend und alles andere als nervig." (motorrad online 08/2010)

Genau!
Wenn eine Amerikanerin neben mir gestartet wird, betätige ich noch einmal den Gaszug um sicher zu stellen, dass mein Motor wirklich läuft. Wenn die Amerikanerin an der Ampel neben mir anhält, rüttelt ihr Motor wie eine altertümliche Waschmaschine im Schleudergang bei 800 Umdrehungen. Und ihr Fahrer sieht aus, als säße er auf genau dieser Waschmaschine. Ich dagegen ruhe gemütlich in meinem Sessel. Und nicht nur das: In der Beschreibung meines Lärmpegels zeigen Harley-Davidson, Vmax- und Ninja-Fahrer allesamt die Geste des Staubsaugens. Meine Vulcan 900 gibt keine besonders imposanten Geräusche von sich, eher ein dunkles Schnurren und Gluckern. Klingt vielleicht uncool, nervt aber auch auf längeren Touren nicht.

"Da kann gar keine Hektik aufkommen, denn in den meisten Fällen swingt man bei 3000 und 3500 Umdrehungen über die Landstraße, das sind 80 bis 100 km/h im letzten Gang. Falls bei zügig durchgeführten Überholmanövern doch einmal Eile geboten ist, wirkt der Antrieb nie überfordert. Wenn nötig, dreht der Vau auch 7000 Touren und fühlt sich dabei keinesfalls an, als wolle er explodieren." (motorrad online 08/2010)

Genau!
Wenn ich ganz allein auf der Landstraße rumgroove, dann pendelt sich mein Komfort-Tempo bei 85 km/h ein. Im laufenden Verkehr fahre ich entspannt die erlaubten 100 km/h mit. Auf der Autobahn sollen es gern mal 120 km/h sein. Darüber hinaus habe ich schon immer das Gefühl, ich müsste in den 6. Gang schalten. Das niedrigtourige Dahincruisen macht das Vulcan-Feeling rund.

"Auch absolut Unerfahrene können den 283-Kilo-Brocken sicher lenken." (motorrad online 15/2006) 

Genau!
Ich bin eine Stunde nach Bestehen der Führerscheinprüfung auf meine niegelnagelneue Maschine gestiegen und losgefahren. Das war zwar ungewohnt, weil die Vulcan 900 ein etwas größeres Geschoss ist, als die Fahrschulmaschine, jedoch kam ich in der Stadt sofort klar. Der Vorteil für Anfänger: Die Maschine verleitet ganz und gar nicht zu sportlichem Fahren und bremst etwaige Selbstüberschätzung.

"Die Kawa zirkelt erstaunlich leicht um enge Kurven, einmal in Fahrt ist vom gewaltigen Gewicht kaum noch etwas zu spüren. Dennoch sollte man es nicht übertreiben, weil der Cruiser vorne nur eine einzelne Bremsscheibe hat und nicht über ABS verfügt." (motorrad online 11/2010)

Genau!
Das mit den engen Kurven muss man üben und selbstbewusst angehen. Aber die tiefe Sitzposition und das hohe Gewicht halten die Vulcan 900 auch bei starkem Wind in der Spur und wirken sich somit eher positiv aus. Das Bremssystem ist tatsächlich auf gemütliches und vorausschauendes Fahren ausgelegt und Gefahrenbremsungen sollten nicht extra provoziert werden.

"Leichte Kritik erntet das straffe Fahrwerk. Es bietet zwar Reserven für den Soziusbetrieb, mindert jedoch etwas den Fahrkomfort. Nicht nur optisch macht die VN auf Starrrahmen - das Federbein reagiert unsensibel und gibt Stöße an Fahrer und Sozius weiter." (motorrad online 11/2010)

Genau!
Kopfsteinpflaster und schlechter Asphalt sind eine kleine Qual. Aber ansonsten geht's.

“Floorboards (rather than foot pegs) and a heel-toe shifter are standard. For some riders, a heel-toe shifter may take a little getting used to. Kicking down on the heel shifter increases the gears. Coming from a motorcycle with foot pegs and a toe shifter, I got a little confused at times if I should use my heel or toe. The heel shifter is really just a convenience for those who cannot get their boots under the toe shifter to go up in gears.”(www.womenridersnow.com)

Genau!

Zu Beginn dachte ich noch, es sei bequemer, die Schaltwippe zu nutzen und die Gänge mit der Ferse hoch und den Zehen hinunter zu schalten. Doch diese ständige Vor-und Rückbewegung des Fußes hatte zur Folge, dass ich manchmal ausversehen auf die Schaltwippe geraten bin, was mein Bike mir immer freundlich verzieh. Inzwischen finde ich es bequemer, die Gänge nur noch mit den Zehen zu wechseln und somit meinen Fuß entspannt vorn liegen zu lassen. 

"Kawasaki VN 900: stetig kompromissbereit, problemlos im Zusammenleben, genügsam und relaxend – die optimale Lebensgefährtin für Tagträumer und Menschen, die von der Hektik des Lebens regelrecht »fertig gemacht werden«." (motorrad online 08/2010)

Genau!


Erste Schritte auf der Kawasaki Vulcan 900. Das kann auch ein absoluter Anfänger.
Die Schaltwippe, nice to have aber für mich kein Muss.
Die großen Trittbretter sind jedoch Pflicht in der Cruiser-Ausstattung.
Auch die Sozia hat Freunde am mitfahren.
Auf der Sitzbank ist genügend Platz für zwei Personen und
die Rückenlehne bietet zusätzlichen Halt für einen Tagesausflug.
Nur auf Kopfsteinpflaster und Straßenschäden kann es etwas ungemütlich werden.
Gelassenes cruisen auf einsamen Landstraßen. Wenn man nicht aufpasst,
verliert man das Gefühl für die Geschwindigkeit und findet sich träumend bei 85 km/h wieder.
Doch die Vulcan 900 bietet locker Reserven für einen erfrischenden Spurt
oder einen Überholvorgang auf der Autobahn.
Das elegante Damenfahrzeug wirkt durch seine schöne Linie eher zart.
Der Schein trügt, die Light Tourer-Version bringt fahrfertig amtliche 300 kg auf die Waage...
... und muss sich vor der amerikanischen Kultmarke keineswegs verstecken.
(Hier eine Harley Davidson Electra Glide Standard mit 1500 ccm)

Kommentare:

  1. Dann sollt ich mir auch eine VN900 kaufen.

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    1. Oh jaaa! Und dann fahren wir zusammen rum und sind ganz glücklich!

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  2. Polly, dat hattu wieder fein gemacht, dem ist nichts hinzu zu fügen, ich war mit meiner 900Classic sehr zufrieden.

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  3. Im neuen jahr werde ich unbedingt auch mal einen Cruiser zur Probe fahren. Ob aus Milwaukee, oder aus Japan, ist allerdings noch nicht raus...
    Mein erstes Experiment in dieser Richtung fand ich bei meiner Körpergröße als etwas unbequem. (http://motominya.blogspot.de/2015/06/honda-presse-tag-2015-teil-1.html) Ich wusste einfach nicht wohin mit den Füßen.

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    1. Vielleicht steht Dir ja sogar die etwas größere Schwester (1700 ccm). Die ist dann allerdings noch etwas schwerer. Ich hatte auch diese Probe gesessen und fand sie trotz meiner 176cm Länge recht voluminös zwischen den Knien.
      Bin die letzten Tage wieder Harley-Passagier gewesen und muss echt zugeben, dass mir der Unterschied zur diskreten Japanerin jetzt noch mehr auffällt. ;-)

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  4. Gratuliere zu Deiner Entscheidung...und ausserdem steht Sie Dir hervorragend. (Auch ein wichtiger Punkt in der Damenwelt)
    Ich habe schon auf Triumph Rocket und Co. Probegesessen....nee ich hab kaputte Knöchel und kann die Füße nicht auf die Trittbretter stellen... und auch die Haltung ist nicht so meins. Reiseenduro...das isses für mich...

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    1. Das verstehe ich tatsächlich! Nicht umsonst gibt es für jeden Bedarf entsprechende Modelle. Mich stört an den langen Trittbrettern und deren Position nur, dass ich keine hochhackigen Stiefel tragen kann, weil ich dann meinen Fuß so überstrecken müsste. ;-) (kleiner pollynesischer Scherz, kchihihi...)

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  5. Wenn die Amerikanerin an der Ampel neben mir anhält, rüttelt ihr Motor wie eine altertümliche Waschmaschine im Schleudergang bei 800 Umdrehungen. Und ihr Fahrer sieht aus, als säße er auf genau dieser Waschmaschine.
    Von was schreibst du? Panhead, Shovel oder von welchem Oldtimer? Mit Sicherheit nicht von einer Evo der neueren Baureihe. Gummigelagerter Lenker, Motor ja sogar die Trittbretter! Auch die Geräuschkulisse ist im Originalzustand nicht lauter als eine Vergleichbare VN. Also für mich in keinster Weise objektiv. Grüße vom Inbus

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    1. Der ganze Artikel ist doch - wir immer - sehr subjektiv. Es soll ja sogar Menschen geben, die die VN 900 gar und gar nicht so traumhaft finden, wie ich. Oh Schreck! Ich mag die oben abgebildete Electra sehr, aber mir wird schon beim betrachten des laufenden Motors schwindelig.
      Ich kombinierte: Der geheimnisvolle Inbusmann ist ein Auskenner in Sachen HD. :-D

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  6. Sehr schön geschriebener Artikel (wie alle anderen übrigens auch). Ich wünsche Dir ein tolles Motorradjahr 2016 - vielleicht laufen wir uns ja mal in der Normandie über'n Weg...

    Liebe Grüße aus Köln

    Ralf

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    1. Hallo Ralf! Oder ich halte 'mal in Köln an, wenn ich auf der Durchreise bin. Liegt ja auf dem Weg - sofern ich mir anstatt der beschaulichen Niederlande die A1 antun will ;-)
      Liebe Grüße!

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