Mittwoch, 18. November 2015

Kilometer 6.933 - Frauen und Technik - Teil 2

Ha! Manchmal macht es schon Sinn, sich mitzuteilen. Nach meinem letzten Versuch, meine Packtaschen abzubauen, erhielt ich einen einfachen Tipp und schon geht es dieses Mal viel besser.

Es regnet und die Aussichten für diese Woche machen keine Hoffnung auf eine baldige Wetteränderung. Nach den traurigen letzten Tagen soll ein wenig Dynamik in mein Vulcan-Leben kommen. Also beschließe ich, nun endlich einmal wieder mein Bike zu putzen. Ich hatte mich schon ein bisschen darum gedrückt, es ordentlich zu machen, weil ich ja beim letzen Mal das kleine Unglück mit der Sissybar hatte. Aber es muss es doch irgendwie zu schaffen sein.

So greife ich motiviert zum Imbus und gehe an die Arbeit. Erste Schraube raus, zweite Schraube lösen, Tasche drehen, erste Schraube wieder rein, zweite Schraube raus, Tasche ab, zweite Schraube wieder rein. Top, das hat geklappt! 

Dann spüle ich den ganzen Erntedreck von meinen Landpartien hervor und putze fein mein Bike. Tatsächlich hat es etwas Meditatives. In der Ruhe dieser Tätigkeit kommt die Kraft zurück. Ich denke an Karate Kid. Musste der Junge hier nicht das Auto polieren um die richtige Schlagtechnik zu erlernen? Ich selbst habe den Eindruck, dass ich mit meinen kreisenden Händen die festsitzenden Gedanken in Bewegung bringe, sie freisetzte und gehen lasse. Zum Abschluss sprühe ich meine kleine Vulcan mit Kriechöl ein. Das Leder wird gesäubert und gefettet.

Ein mir bislang unbekannter Tiefgaragenmitbenutzer leistet mir für eine Weile Gesellschaft, hängt bei mir rum und stellt Fragen zu mir und meinem Bike. Wie schwer es ist (das wollen die meisten Männer wissen) und ob ich es leicht händeln kann. Warum ich mich für Kawasaki entschieden habe und vieles mehr.

Nach wie vor ist es etwas fummelig, die Taschen wieder zu befestigen und es bleibt mühsam, die Schrauben durch alle Teile in den Rahmen zu zirkeln, ohne dass Distanzstücke durch die Garage kullern. Der TGM fragt, ob ich jedes Mal so lange bräuchte, wenn ich mit meiner Clique vor der Kneipe parke und meine Taschen mit hinein nehmen möchte. Ich kläre ihn dahingehend auf, dass ich die Taschen natürlich niemals spontan abnehmen möchte, sondern für den Restaurantbesuch - und auch sonst immer - mein Handtäschchen dabei habe, welches alles beinhaltet, was Frau so braucht! Zudem lasse ich mein Biker-Equipment, welches ich zusätzlich stets an Bord habe, einfach in der Packtasche und bin mir absolut sicher, dass niemand meinen Zorn erleben möchte, wenn er sich daran vergeht.

Der TGM verabschiedet sich. Er ist begeistert von der Schönheit meiner kleinen Vulcan und ich strahle mit meinen Chromeaccessoires um die Wette. Dafür lohnt sich doch die Mühe und ich muss sagen, dass mir diese Arbeit an meinem Bike auch wirklich Spaß macht. Manchmal sind es so unaufregende Momente, die uns wieder in das hier und jetzt zurück holen. Die uns in ihrer Einfachheit zeigen, dass es nicht viel braucht, um Glück zu empfinden. 

Für die Kawasaki Vulcan S gibt es ein Schnellmontageset für Packtaschen. Ich werde mich einmal erkundigen, ob ich für meine Vulcan 900 Classic auch so etwas finde und ob sich der finanzielle Aufwand lohnt. Weiß jemand etwas dazu?


Taschen ab, Sissybar noch dran.
Ich freue mich ja auch über solche Kleinigkeiten.
Ich putze. 
Ich poliere.
Und ein bisschen Lederpflege ist auch nötig.
Die Vulcan strahlt, die Polly ist zerzaust, alles super!

Kommentare:

  1. Servus Polly,
    das ist doch mal Gründlich. Respekt. Ich hätte am Hof eine echte Herausforderung für dich. Meine gute olle Transe hat seit zwei Jahren nur die Waschbox gesehen. :-P
    Das nette Nachbarn stehen bleiben wenn man an seiner Kiste schraubt kenne ich nur zu gut. Ich habe sogar einen regelmäßigen Besucher wenn ich mal wieder am Schrauben bin. Er sitzt i.d.R. immer gegenüber im Bushäusl. ;-)
    Er kommt dann gerne rum und fragt wo ich den schon wieder war und wo es als nächstes hin geht. Er träumt dann gerne von alten Zeiten und erzählt. Machmal kann ich ihn aber nur schwer verstehen.

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    1. Akustisch oder inhaltlich? Vielleicht schreibst Du seine Geschichten mal auf? :-)

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  2. Na, das ist ja auch mal was. Motorrad putzen als meditative Übung. Muss ich mal ausprobieren ...

    "HEEEEEE, Lil' BEN! DU HAST MAL WIEDER MEIN MOTORRAD EINGESCHWEINT! SAUBER MACHEN! SO!FORT!" Brüllen soll ja auch befreien :-D

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    1. Soll ich Dir ein Geheimnis verraten? Das soll keiner wissen und es ist mir auch noch nicht gelungen, ein Beweisfoto zu schießen.

      Wenn ich in Frankreich beim Wikinger morgens an meinem Schminktisch sitze, um mich für eine gemeinsame Ausfahrt schön zu machen, und dabei mit den Haarklammern zwischen den Zähnen murmele dass meine Petite Jolie Vulcan gar nicht angemessen glänzt, um sich anderen zu zeigen, dann geht der Wikinger schon 10 Minuten früher in die Garage um "den Luftdruck bei seiner Harley zu checken" und in Wahrheit bringt er mein Bike zum strahlen - und meine Augen dazu.

      Vielleicht ist das aber auch seine Form der Meditation, wenn er sich ärgert, dass ich zu Gunsten eines ordentlichen Lidstriches auf den zweiten Frühstückskaffee verzichte.

      Solche Männer braucht man doch!

      Hier muss ich es dann selbst tun - und wenn alles glatt geht, genieße ich es auch. :-D

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  3. So greife ich motiviert zum Imbus...Innensechskantschlüssel [der Firma] Bauer und Schaurte. Inbus...In wie Innensechskant...B wie Bauer....U wie und ....S wie Schaurte.......Sagen und schreiben aber auch viele Männer falsch...grins

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    1. Lieber Herr (davon gehe ich einmal aus) Anonym,
      ich danke sehr für diesen wichtigen Hinweis mit den unschlagbaren Erläuterungen. Seltsam, dass mein Vater mich da noch nie korrigiert hat. Nun denn, vielleicht sind Sie auch mein Vater, das würde erklären, warum Sie zu bescheiden waren, Ihren Namen noch kundzutun. Nun werde ich bei jedem Griff zum Innnensechskantschlüssel an Sie denken, wer immer Sie sind! :-)

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  4. Nun werde ich bei jedem Griff zum Innnensechskantschlüssel an Sie denken, wer immer Sie sind! :-) Glaube ich gerne...
    Sollten wir uns mal begegnen, so werde ich dir als Erkennungszeichen einen solchen Inbus überreichen, denn sowas hat Mann immer dabei.....

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