Freitag, 13. November 2015

Kilometer 6.754 - Schutzengel und Aberglaube

Es ist Freitag der 13.

Gebt Acht vor schwarzen Katzen, geht nicht unter einer Leiter hindurch.

Ich glaube, ich bin schon recht abergläubisch. Meine Oma hat uns mit Sprüchen großgezogen, die sowohl mein Vater, als auch wir Kinder bei entsprechenden Gelegenheiten noch immer laut ausrufen:

"Händebegucken gibt Streit!"
"Einen Regenschirm im Haus aufspannen gibt Unglück!"
"Wer immer einen Pfennig im Portemonnaie lässt, wird nie arm sein!"
"Wer Scheren verschenkt, zerschneidet die Freundschaft!"
Und so weiter, und so weiter.

Außerdem ist meine Heimat der Hafen und die See. Auch hier ist der Aberglaube ständig präsent. Wer an Bord pfeift, ruft den Sturm herbei. Und ein Weib an Bord bringt ebenfalls nur Unglück.

Meine Oma hat auch Lotto gespielt. Nachdem mein Opa starb, hat sie noch 19 Jahre lang immer die gleichen Zahlen angekreuzt, die ihr geliebter Gatte schon gespielt hatte. Sie glaubte, wenn sie es einmal ändern würde, dann kämen "seine" Zahlen. 

Ich bin solchen Dingen ähnlich treu. Ich habe das Gefühl, dass ich nichts loslassen sollte, was sich einmal als "Glücksbringer" aufgedrängt hat. Manchmal nimmt das etwas Überhand. So schenkte mir mein französischer Frank im September einen Schal, den ich daraufhin immer trug. Ich dachte, ich könne niemals mehr ohne dieses Schal Motorrad fahren, aber er ist ehrlich gesagt nicht so sehr dafür geeignet, weil er recht dick ist und sich schlecht knoten lässt und immer aus der Jacke rutscht. Also habe ich es mal ohne versucht und mir ist nichts passiert.

Einige Kleinigkeiten, sind mir aber so als Glücksbringer an's Herz gewachsen, dass ich nun nicht mehr ohne sie fahren kann. 

Die Guardian Bell
Beim Bikertreffen in Evreux schenkte Frank mir ein Glöckcken, welches die Trolle verscheuchen soll, die mich von der Straße schubsen wollen. In der amerikanischen Version sind es böse Geister, die man durch das Klingeln in die Flucht schlägt. Als Frank mir das erklärte, war ich ganz verstört, dass ich schon 4 Wochen ohne Guardian Bell gefahren war. Ein Glück ist das gut gegangen!! Ich bekam eine Glocke mit keltischem Knoten. Die keltische Mythologie hat meinen Glauben geprägt und mit dem Symbol für Unendlichkeit denke ich an eine unendliche Zeit mir meiner Vulcan 900. Ich liebe meine Guardian Bell und schaue sie immer wieder an. Neulich lernte ich einen ganz lieben Biker kennen, der kein solches Glöckchen besitzt. Aber vielleicht ja bald.


Die kleine Fee
In einer recht schlechten Phase meines Lebens, schenkte meine Stiefmutter mir diese kleine Fee zum Neuanfang. Der Neuanfang war so erfolgreich, dass ich der Fee Glauben schenkte. Lange Zeit trug mein Pferd sie bei Ausritten am Kopfstück. Mein Pferd war nicht ganz einfach und ich musste fürchten, dass wir irgendwann einmal schwer stürzen und uns etwas antun würden. Aber so kam es nicht. Nun trägt meine Vulcan die kleine Fee und sie gibt mir auf der Straße Schutz und Freude.

Das Totenkopfnadelkissen
Als ich bei meiner Freundin Frl Swing war, um einen Rückenwärmer zu stricken, schaute ich so neidisch auf ihre selbstgemachten Nadelkissen, dass sie mir sofort eines schenkte. Ich steckte es in meine Jackentasche und vergaß es zunächst. Als ich ein paar Tage später nach Frankreich aufbrach fiel es mir wieder in die Hände und ich ließ es in der Tasche. In Mexiko sind die Sugar Skull die Symbole für den Tag der Toten, der dort ausgiebig und farbenfroh zu Ehren der Toten gefeiert wird. Dieses Fest ähnelt ein wenig dem ursprünglich keltischen Feiertag Samhain (heute als Helloween bekannt). Auch hier werden die Ahnen freundlich empfangen. Der wohlgesonnene und respektvolle Umgang mit dem Tod und die Besänftigung der Geister ist für mich ein gutes Omen auf meinen Motorrad-Reisen.

Und was sind Eure Glücksbringer, von denen Ihr Euch nicht trennen mögt?

Kommentare:

  1. Moin, Polly. So ein Glöckchen könnte mir auch gefallen. Das würde sich bestimmt gut an meiner Sporty machen. Meinen Talisman findest Du auf diesem Bild links unten:
    http://1.bp.blogspot.com/-yopOz_pmP6o/T7PtmtnGulI/AAAAAAAAJLo/QHpRXB9o6Qc/s1600/DSC01043.JPG
    Zur Erklärung: Getauft habe ich es "Schlamuffe" (aus dem Buch 'Die Unendliche Geschichte'). Ich führe dieses Schmetterlings-Dingsda zur Erinnerung an einen lieben Menschen seit 1999 mit mir herum, und seit 2009 hängt es bei Wind und Wetter am Mopped-Schlüssel. Einen wirklich schönen Blog hast Du hier hingezaubert.

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    1. Das Schlamuffe ist wirklich... speziell an einem Motorrad :-D Aber es wird Dir helfen zu fliegen und nicht zu fallen und Dir immer den nötigen Humor mitgeben.!

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