Montag, 7. September 2015

Kilometer 948 - 1.152 - Der Herbst ist da

Unermüdlich setze ich mein Training fort. Eine Woche noch bis zur Abreise. Bis dahin will ich fit sein.

Die Temperaturen sind in Norddeutschland stark gefallen und am Samstag regnet es den ganzen Vormittag in Strömen. Ich nutze die Zeit und lese meine geplante Urlaubs-Reiseroute in allen Anzeigeoptionen auf Google-Maps. Da ich mir kein Navigationsgerät gekauft habe, lerne ich die Strecke schon einmal etwas auswendig.

Am frühen Nachmittag ist es trocken und es kommen sogar ein paar Sonnenstrahlen hervor. Ich schwinge mich auf's Bike und fahre zu meiner Freundin, die mit Kaffee und Donauwelle auf mich wartet. Ich kreisele die Autobahnauffahrt hoch und beim Einfädeln auf einer Brücke erfasst mich eine heftige Windböe. 

Es rumst gegen meinen Helm, als hätte jemand einen überdimensionalen Luftpuster auf mich gerichtet. Ich ziehe den Kopf ein und verstecke mich hinter meiner Scheibe. Mein liebes Moped taumelt schwerfällig nach links und rechts und rollt dann artig über die Autobahn. Brav!

Als ich spät Abends zurück nach Hamburg aufbreche ziehen dunkle Wolken auf. Es ist eine wahrlich tiefdüstere Stimmung. Ich krame meine kleine gelbe Reflektoren-Weste hervor und mache mich auf zur Lektion: "Nachtfahrt auf der Autobahn mit Sturm und Platzregen." Dieses Mal ist es kein Luftpüster, sondern ein Kärcher Hochdruckreiniger, der mich schräg von vorne trifft.

45 Minuten später rolle ich voller Entzücken in die Tiefgarage. Meine Kleidung hat mich trocken gehalten, meine Stiefel sind wasserfest. Meine kleine Vulcan schiebt sich wie ein Eisbrecher durch die unruhige See und auch ich habe tapfer durchgehalten und mir die gute Laune nicht verderben lassen. 

Ich reibe mein Motorrad trocken und klopfe ihm lobend den Tank.

Sonntag geht es dann bei strahlendem Sonnenschein mit einem Freund zusammen auf die Landstraßen. Der Sturm hat kaum nachgelassen und peitscht uns um die Köpfe. Ich merke, wie die Böen immer wieder auf die große Fläche meiner Vulcan treffen, doch das schwere Bike mit seinem tiefliegenden Schwerpunkt fährt geradeaus und beschwert sich selten. Nur in den Kurven erschrecke ich mich ab und zu, wenn der Wind plötzlich die Richtung wechselt und meint mich mitnehmen zu wollen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Trägheit des Cruisers hier gar etwas hinderlich ist.

Mein Kumpel fährt eine Kawasaki Ninja. Etwas Schnelles also. Ich beobachte ihn, wie er davon flitzt, dann langsamer werdend auf mich wartet und bald wieder in maximaler Schräglage durch die Kurven braust.

Ich muss schmunzeln, denn ich fühle mich wie eine Mutti, die mit ihrem lebhaften Jungen im Wildpark spazieren geht. Er schießt von links nach rechts und vor und zurück, während ich gelassen meinen Weg entlang schlendere.

Ein wundervoller Herbstausflug.

Die Schöne und der Schnelle / La Belle et le Rapide

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