Dienstag, 22. September 2015

Kilometer 3.132 - 3.330 - Eine von ihnen

Quelle: Google Maps

Am Sonntag Morgen quäle ich mich regelrecht aus dem Bett. Es ist 7.20 Uhr und die Nacht nach einer Geburtstagsfeier war kurz. Anstelle eines Frühstücks ziehe ich mich an, so hübsch es eben geht in Lederhose und T-shirt. Makeup und Frisur müssen sitzen und alle Glücksbringer sind an Bord zu nehmen. 

Um 8.30 Uhr treffen wir uns an der Pont Tancarville mit anderen Bikern um nach Evreux zu fahren. Dort findet heute ein Bikertreffen statt, welches im Wesentlichen von Harley Davidson supported ist.


Ich bin aufgeregt. Was werden die anderen Leute zu einer Anfängerin wie mir sagen? Wie gut kann ich in dieser Gruppe mithalten? 

Meine Erfahrungen mit Sportlern habe ich ja bereits zuvor geschildert. Als ich am Vortag erstmals mit Frank fuhr, zeigte sich, dass ich eigentlich gar nicht so unfit bin, wie ich im Vergleich zu den Schnellen dachte. Ich fuhr genauso wie immer und machte dabei gar nicht viel anders oder schlechter, als er mit seiner großen Harley. Ich fahre ganz normal, eigentlich. So wie man halt fährt als Anfänger mit einem Cruiser. Ich habe nur einen anderen Stil, als die Leute, die einen sportlichen Reifen fahren. Sofort stieg mein Selbstvertrauen und ich fühlte mich viel wohler.

Aber heute geht es in einer Gruppe von 20, 30 Fahrern los. Ich bin recht aufgeregt.

Der erste Treffpunkt ist direkt an der Seine-Brücke. Der Nebel liegt so dick im Tal, dass man kaum 20 Meter weit sehen kann. Wir starten mit etwa 12 Bikes. Ich fahre an zweiter Stelle schräg hinter Frank. Im Rückspiegel sehe ich den Rest der Gruppe im Nebel verschwinden. Leichte Sonnenstrahlen tauchten die Landschaft in ein diffuses wunderschönes Licht.

Am zweiten Treffpunkt nehmen wir noch einmal ca. 13 Bikes auf. Wenn ich nun in den Spiegel schaue, sehe ich eine unendliche Schlange von Motorrädern hinter mir. Schade, dass ich das nicht fotografieren kann. Es ist so wundervoll. Wir rollen über die Landstraße und durch kleine Städte und Dörfer und ich bin endlich Teil dessen, was ich früher immer mit offenem Mund und strahlenden Augen betrachtet hatte. 

In Evreux angekommen stellen wir die Bikes auf einer großen Wiese des Sportgeländes ab. Auf einer Tafel können Pins gesteckt werden, die markieren, woher die Biker kommen. Frank steckt eine rote Nadel in das Holz weit über der Landkarte. Später schreibe ich noch auf ein Zettelchen, dass dort oben Hamburg ist. Nur falls es einen Franzosen interessiert, dass es durchaus Menschen gibt, die in fremde Länder reisen.


Foto von Frank Toutain
Foto von Frank Toutain


Was bin ich vergnügt! Die Sonne strahlt inzwischen mit mir um die Wette. Nur die blanken Bikes funkeln noch stärker. 

Wir bummeln über das Gelände und begrüßen Freunde und Bekannte. Wie üblich gibt es Stände von Händlern und Clubs. Eine Bühne mit Rockmusik, Kaffee, Bier, Fritten und Würstchen.
Ich streife auch durch so manche Reihe der ca 4.000 Motorräder und entdecke noch 3 große Schwestern meiner kleinen Vulcan. Altere Modelle mit 1.600, 1.700 und 2.000 ccm. 

Kleine Vulcan und ihr Kumpel / Petite Vulcan et son copain

Foto von Frank Toutain


Frank schenkt mir eine Glocke, die ich möglichst dicht über dem Asphalt am Motorrad befestigen muss. Ihr Läuten verscheucht die Trolle, die mich auf der Fahrbahn ärgern wollen. Ich suche mir eine Glocke mit einem keltischen Muster aus. Der keltische Knoten symbolisiert auch Unendlichkeit. Unendliche Reisen auf meiner kleinen Vulcan 900 werden nun noch folgen. Wir montieren die Glocke sofort und ich freue mich so sehr. Später falle ich auf dem Heimweg zweimal fast vom Bike, weil ich mich immer wieder vergewissere, dass das Glöckchen noch unter meinem Bremspedal klingelt. Kopfschüttelnd greift Frank in seiner Garage zur Tüte Kabelbinder und sichert das Schmuckstück noch einmal zusätzlich ab.

Die kleine Glocke am Bremspedal soll die Trolle vertreiben /
La petite cloche fait déguerpir les trolls
Der Tag geht fröhlich zu Ende. Für mich war er ruhig, weil ich wenige Leute kenne und beim Fachsimpeln eher passiv teilnehme. 

Auf dem Heimweg sind wir zu zweit. Ich vergesse die Welt um mich herum und würde am liebsten einfach immer weiter fahren. Der Küste folgen, nach Spanien und Portugal reisen und irgendwann wieder zu Hause ankommen. Mit vielen Fotos und noch mehr Eindrücken und Geschichten, die zu erzählen wären.

Aber zunächst einmal geht es doch nach Hause und sehr müde in mein Bett. 

Foto von Frank Toutain

Foto von Frank Toutain

Foto von Frank Toutain

Foto von Frank Toutain

Foto von Frank Toutain
Und hier noch ein Bike, das mich besonders beeindruckt. Jemand hat sich die Mühe gemacht, das gesamte Motorrad mit Bildern und Symbolen meiner Lieblingsband The Doors zu verzieren. Meine erste Tätowierung, die ich mit vor ca 18 Jahren habe stechen lassen, ist eine kleine Eidechse, die ich unter anderem als Hommage an Jim Morrison ausgewählt hatte.






Kommentare:

  1. Schöner Reisebericht Polly, ich bin grad am 2. Fall von Leblanc, dank deiner Bilder, weiß ich jetzt wie es da aussieht ;-)

    Eine Kritik muß ich allerdings los werden, die 900er gabs definitiv vor der 17er VN, wollts nur gesagt haben, bevor sich wieder irgendein Korinthenkacker drüber aufregt und vor lauter Frust sein Mopped verkauft und sich für das Geld beim Profi auf die Couch legt...hahahahahaha.

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    1. :-D LOL ja, solche Leute soll es geben.
      Du meinst, weil ich "große Schwester" geschrieben hatte? Das hatte ich auf das Volumen und die Kraft bezogen. Ich habe ja nur "die Kleine" VN.
      Leblanc lese ich auch immer!

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    2. Ach so und "ältere Modelle" die eben nicht in 2015 gebaut sind,
      Ach Arne, ich mag Deine hilfreichen Einwürfe, das macht Eindruck beim Fachsimpeln :-D

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