Montag, 21. September 2015

Kilometer 2.925 - 3.000 - Jubiläumsfahrt an das Ende der Welt

Quelle: Google Maps
Es ist Samstag Mittag. Ich bin am Ende der Welt. 

"Au bout du monde" heißt der wundervolle Platz auf den Felsen in Le Havre, an dem man prima stundenlang verweilen und das Meer beobachten kann. 

Am Horizont liegen Containerschiffe und warten darauf, von den Lotsen in den Hafen geholt zu werden. Zwei oder drei Fischerboote drehen ihre Runden und die Klasse einer Segelschule umkreist das Motorboot des Ausbilders.

Ein kleines Flugzeug steigt immer höher in den Himmel und wir verfolgen es Hälse reckend. Als es kaum noch zu sehen ist, fallen kleine weiße Punkte heraus, die sich gegen das strahlende Blau abheben. Wir zählen eins..., zwei..., ... drei... Fallschirmspringer und stellen uns vor, welch wundervollen Ausblick die wohl haben werden. 

Ein älteres Ehepaar steht von einer Bank auf und wir lassen uns nieder. Beobachten einen Hubschrauber, der die Lotsen zu den Containerschiffen bringt. Wie selbstverständlich das Meer zu einer Autobahn geworden ist. Das Treiben da draußen gleicht der Rush-Hour in Le Havre.

Wir stellen uns vor, wie es damals war, als Europäer aufbrachen um zu erkunden, was hinter dem Horizont ist. Manche sind unweit von Le Havre in Dieppe gelandet und waren damit fast wieder zur Hause. Manche sind in Großbritannien angekommen und manche tatsächlich auf einem anderen Kontinent.

Wir stellen uns auch vor, wie die Wikinger aus dem Norden kamen und eine Landschaft vorfanden, die der eigenen zu Hause ähnelt. Sie sind geblieben, haben gesiedelt, wie die Siedler von Catan. Als es dann um Macht und Reichtum geht, nimmt der Wikinger Rollo die christliche Religion an und wird Herzog. So viel dazu....

Wir stellen uns außerdem vor, wie unsere Motorräder mit einem Container in Europa angekommen waren. Eins aus Japan und eins aus Amerika. Vielleicht genießen sie ebenso den Ausblick, recken ein Lenker-Ende gen Meer und murmeln: "Nach Hause!!" Dennoch denken wir, dass es ihnen hier auch ganz gut ging, denn wenn wir uns umdrehen und hinter uns blicken, dann sehen wir sie in der Sonne strahlen.

Was wir uns nur schwer vorstellen können, ist die Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, Anfang Juni 1944 setzen über 3.100 Landungsboote von Großbritannien nach Frankreich über. 1.200 Kriegsschiffe, 7.500 Flugzeuge, 150.000 Amerikaner, Briten, Franzosen, Polen, Kanadier an fünf verschiedenen Stränden in der Normandie.

Ich denke, dass diese Befreiung damals noch immer spürbar ist. Die Abneigung gegen die Deutschen ist genauso präsent, wie die Glorifizierung Amerikas. 

Das Ende der Welt regt zum Nachdenken und zum Diskutieren an. Es mahnt und es macht Freude. Wir würden noch gern eine Weile bleiben, doch der Alltag treibt uns weiter. Mit unseren Bikes steigen wir hinab und schließen uns den samstäglichen Aktivitäten an.

Zu Hause schaue ich auf meinen Kilometerzähler. Er zeigt exakt 3.000 km an. Wir jubeln zum Jubiläum.

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