Donnerstag, 17. September 2015

Kilometer 2.639 - 2.925 - Verstehe, Herr Monet

Quelle: Google Maps
Es ist Mittwoch Morgen. Das Wetter soll wechselhaft, doch überwiegend trocken sein. Ich beschließe, zu einem Ort zu fahren, den ich seit fast genau 20 Jahren sehen möchte und es nie geschafft habe, ihn zu besuchen.

In Giverny, zwischen Rouen und Paris gelegen, befindet sich das Wohnhaus und der Garten des Impressionisten Claude Monet.

Mit 19 Jahren, im Frühjahr 1995, habe ich meine mündliche Abiturprüfung über diesen Maler gehalten. Ich habe 14 Punkte bekommen, weil ich meinen Vortrag aus Überzeugung vorbereitet und ihn mit Begeisterung gehalten hatte. Das kam selten vor, während meiner Schulzeit. Meistens habe ich das Pflichtprogramm gelangweilt über mich ergehen lassen und mich so oft wie möglich außerhalb der Schule mit meinen zahlreichen Hobbies = Nebenjobs beschäftigt.

Aber Kunst mochte ich immer sehr. Auch wenn ich es gar nicht so besonders gut konnte, so mochte ich es, mich auf meine Weise ausdrücken zu dürfen. Und ich mochte es, mich in die Maler hineinversetzen zu können, deren Stil wir gerade lernten. Ich versuchte, die Welt durch die Augen der Künstler zu sehen und dadurch deren Stil zu verstehen. Aber das fiel mir auch oft sehr schwer. Ich frug mich dann, wie man fühlen muss, um ein Surrealist zu sein, der alle möglichen fremden Kombinationen darstellt. Oder wie lange ein abstrakter Künstler an seinem Bild kleckert, bis er endlich das gewünschte Ergebnis erhält. Und vor allem fragte ich mich, wie und was diese Menschen sehen, damit sie auf ihren Kunststil kommen und diesen so leben, wie sie es tun.

In Giverny trat ich in den Garten von Claude Monet und war überwältigt. Die heute dort beschäftigten Gärtner führen die Anpflanzungen so weiter, wie Monet es seit den 1880er Jahren arrangiert hatte. Eine wohlüberlegte Unordnung bestimmter Pflanzen mit meist kleinen Blüten. So wie auch die Bilder von Monet in einer wohlüberlegten Anordnung kleiner farbiger Tupfer gehalten sind. 

Am berühmten Seerosenteich, den Monet vielfach gemalt hatte, blieb ich auch lange sitzen. Ich stellte mir vor, wie viele Stunden und Tage der Maler hier saß und seine Studien abhielt. Ganz bei sich. Bei sich zu Hause in seiner kleinen Ecke Werke schaffend, die in der Kunstgeschichte eine große Bedeutung erlangt haben und heute Millionen Euro Wert sind. Ein kleines, friedliches Fleckchen Erde.

Wenn ich mir heute diese Fotos anschaue, dann verstehe ich Monet erst richtig. Schade, dass es in der Schule immer so theoretisch war.

Ich fahre tief berührt und fasziniert nach Hause. Es sind die Freuden an kleinen Details, die mein Leben so bereichern und die mich so zufrieden machen. Abseits von meiner Abneigung gegen die Schule, war es für mich immer wichtig zu lernen, zu verstehen und zu wissen. Dieser Besuch in Giverny, hat mein vor 20 Jahren begonnenes Projekt nun abgerundet. Nicht vollendet, denn dazu fehlen mir noch Detail-Kenntnisse zu seinen einzelnen Werken. Aber ich verstehe nun...


Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Der Garten von Claude Monet / Le jardin de Claude Monet

Das Haus von Claude Monet / La maison de Claude Monet

Das Haus von Claude Monet / La maison de Claude Monet

Das Haus von Claude Monet / La maison de Claude Monet

Blick aus dem Fenster / La vue de la fenêtre

Bick aus dem Fenster / La vue de la fenêtre

Das Haus von Claude Monet / La maison de Claude Monet

Claude Monet - Sculpture dans le musée Fondation Claude Monet


Kommentare:

  1. Ja, Monet war ja auch einer dieser Maler, die sich mit dem Problem des Lichtes und seiner Wirkung sehr auseinandergesetzt haben. Bei Deinem Besuch dort in seinem Haus wäre ich gerne dabei gewesen.
    Vor ein paar Jahren habe ich im Museum Folkwang in Essen eines der Bilder aus Monets Zyklus um die Kathedrale von Rouen gesehen. Bisher kannte ich lediglich Drucke davon. Aber als ich nun vor einem echten Bild stand, da verstand ich schlagartig, was ich vor langer Zeit in den Aufzeichnungen von Arthur Illies gelesen hatte. Er hatte bei einem Paris Aufenthalt 1895 diese Bilder sehen können und beschrieb das Farbspiel darauf sehr lebhaft und eindrucksvoll.

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    1. Ich merke, Du verstehst mich <3
      Ich werde bestimmt noch einmal im Frühsommer dorthin fahren und das Licht bei Sonnenschein genießen. Vielleicht passt das ja in Deinen Terminplan ;-)

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