Dienstag, 8. September 2015

Kilometer 1.152 - 1.247 - Auf der Zielgeraden

Es ist Montag Abend. Noch 5 Tage bis zur Abfahrt. Wie sehr habe ich mich in den letzten Wochen nach diesem Moment gesehnt. Hochs und Tiefs in der Fahrschulzeit haben mich zeitweise zweifeln lassen, ob ich mein Vorhaben in einem sinnvollen und vernünftigen Plan ungesetzt bekomme. Aber meine Checkliste erhält nach und nach mehr Haken.

Führerschein: Check
Motorrad gekauft: Check
Ausrüstung komplett: Check
Training auf Autobahn und Landstraße: Check
Motorrad eingefahren: Check
1000 km - Inspektion: Check

Heute will ich eine Probefahrt mit Gepäck machen. Mein Bike bietet dafür bereits zwei Seitentaschen an, die jeweils 15 Liter fassen. Ich habe mir zudem eine Ortlieb-Tasche mit einem Volumen von 89 Litern gekauft, die ich hinter mir auf dem Rücksitz befestigen will. Dabei soll es auch bleiben. 89 Liter klingen riesig und sehen auch riesig aus. 

In anderen Blogs und Foren suche ich nach Pack-Listen für Motorradreisen. Im Wesentlichen beinhalten diese die komplette Werkstatteinrichtung. Ich frage mich, wozu ich all diese Dinge brauche, schließlich habe ich ein nagelneues Bike, welches frisch aus der Inspektion kommt und fahre in Westeuropa durch einigermaßen dicht besiedelte Regionen. Ich habe einen wartungsfreundlichen Zahnriemenantrieb - damit entfällt schon mal das Werkzeug für die Kettenwartung. Meine Kawasaki braucht auch keinen Spezialschlüsselsatz, wie die amerikanische Kultmarke, das kann also auch gestrichen werden.

Über weitere Dinge, wie Klebeband, Kabelbinder und Handluftpumpe werde ich noch einmal nachdenken. Wieder einmal erfahre ich die Nachteile des Alleinreisens. Schon bei vorherigen Trips war ich damit konfrontiert, Ausrüstungsgegenstände, die man mit mehreren Menschen teilen könnte, allein tragen zu müssen. So hatte ich zum Beispiel beim Trecking in Schottland gute 20kg auf dem Rücken zu tragen, da ich Zelt, Kochgeschirr, Kartenmaterial, Kompass etc nicht auf weitere Rucksäcke verteilen konnte.

Zum Glück habe ich in Frankreich ein festes Domizil bei einem Freund, so dass ich hier meine Wäsche waschen kann. Ich plane also Kleidung für 7 Tage zzgl. einiger "schöner" Stücke für besondere Anlässe. Sofern ich bei gutem Wetter meine Leder-Klamotte am Körper tragen kann, muss ich nur meine leichtere Textil-Jacke und Hose in der Tasche verstauen. Allerdings ist es schon sehr frisch geworden, so dass ich auf jeden Fall auch die jeweiligen Thermo-Futter wieder einsetzen werde.  

Kosmetik fülle ich in kleine Flaschen und Dosen ab, auch das spart Platz und Gewicht.

Naja, für den heutigen Probelauf gilt es erst einmal nur, die Tasche voll zu machen und am Motorrad zu befestigen,

Das klappt super dank Sissy Bar und Taschenhalter. Ich vertraue aber meinen kleinen Zurrgurten nicht so ganz, so dass ich direkt den nächsten Baumarkt ansteuere und noch 3 zusätzliche Gurte kaufe.

Das Fahren klappt super. An der Tankstelle erhöhe ich den Reifendruck gemäß Betriebsanleitung und werden von Männern angesprochen, die gern mal mit mir fahren wollen. Kein Platz !

Beim Baumarkt nutze ich mein kleines Kinderfahrradschloss und schließe die Tasche mit ihren Tragegurten am Motorrad fest. So werde ich es auch tun, wenn ich mich an einem Rastplatz mal vom Bike entfernen muss. 

Später cruise ich noch am Flughafen entlang und halte am "Coffee to fly", wo ich noch nie war, aber immer mal hin wollte. Zu meinem Erschrecken stehen dort ca 30 Sportler und ein paar wenige Custom Bikes. Zahlreiche neugierige Blicke folgen mir. Ich muss meine 350kg-Maschine auf dieser abschüssigen Straße rangieren. Hoffentlich blamiere ich mich nicht - ein Glück, geschafft!!! Mit gesenktem Blick drängele ich mich durch das überfüllte Café zum Tresen und bestelle einen Kaffee to go, den ich Flugzeuge beguckend neben meiner Vulcan einnehme. Ich bin echt schüchtern bei anderen Bikern.

Zufrieden über den Verlauf des Abends kehre ich schließlich nach Hause zurück. Wie immer hat mich meine Vulcan nicht enttäuscht.

Probefahrt mit Gepäck: Check!
Unbestritten ein wirklich schönes Motorrad diese Vulcan 900 / Vraiment une très belle bécane la Vulcan 900


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