Montag, 31. August 2015

Kilometer 189 - 332 - Ein Farbenrausch im wahren Leben

Ich bin zu einer Gruppenfahrt eingeladen. Genauer gesagt wurde die Gruppe eingeladen mit mir zu fahren.

Ein Freund, langjähriger Biker, ist sehr aktiv in der Gruppe MotoBike-Treff für Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Eine offene Gruppe, die sich über die Plattform "Groops" organisiert und regelmäßige Ausfahrten unternimmt. 

Er lud mich zu einer Feierabendrunde am Freitag Abend ein und bot über Groops eine "offizielle" Ausfahrt an.

Am Ende sind wir zu viert. Drei Sportmaschinen und ich mit meiner Vulcan. Frank gibt mir noch den beruhigenden Hinweis, dass es normal sei, wenn sich die Gruppe etwas auseinander zieht, da ich mit meinem Cruiser einfach nicht so schnell um die Kurven komme, wie die anderen Fahrer. Man würde aber in den Ortseinfahrten auf mich warten.

So geht es dann los und ich profitiere sehr von diesen 140 km gemeinsamer Fahrt. 

Ich beobachte die Fahrerin vor mir und aufgrund des etwas größeren Abstandes kann ich an ihrem Bremsverhalten und ihrer Schräglage den Kurvenradius erahnen, und mich darauf einstellen.

Ich könnte jetzt lange erklären, dass die Vulcan durch ihren Radstand, ihre Bodennähe, der tiefliegenden Trittbretter etc nicht in der Lage ist, die Schräglage einzunehmen, die für eine flotte Kurvenfahrt nötig wäre. Stimmt ja auch. Aber ich gebe gern zu, dass ich mangels Erfahrung (5. Tag mit Führerschein!!) einfach noch nicht das Gefühl dafür habe, was eigentlich möglich ist.

So fahre ich zügig in meiner Komfortzone hinter den anderen her und spüre, wie ich mehr und mehr Vertrauen zu mir und zum Bike gewinne.

Ein starker Regenguss treibt uns in das Restaurant einer Tankstelle und wir essen Currywurst mit Pommes. Die anderen sind etwas unglücklich über den Regen, aber ich genieße mein erstes Bikererlebnis in vollen Zügen.

In einer kurzen Regenpause springen wir auf unsere Motorräder und fahren gen Heimat. Der Sonnenuntergang hüllt uns in warme Rottöne und der neu einsetzende Regen schenkt uns einen wundervollen riesengroßen Regenbogen. Fast habe ich das Gefühl, wir fahren genau hindurch. Ich fühle mich durchnässt, aber geborgen in der Natur und ihren erdigen Duft.

Ich denke an mein Pferd und unsere Ausritte durch die Landschaften und freue mich, ganz bei mir zu sein. Meine Vulcan ist definitiv etwas weniger emotional als meine überdrehte Araber-Stute, Aber auch sie ist mit mir verbunden. Ich lebe nur für uns, vergesse den Alltag und die Welt. Kein Telefon, kein Internet. Einfach da sein - im wahren Leben.


Kommentare:

  1. Kleiner Tipp: Fahre nie den Spuren der anderen nach...fahr Deine eigene Linie. Der Vorrausfahrer ist Profi - du kannst es nicht, er ist unsicher - zieht Dich mit rein...
    Einen ruhigen Strich ziehen, das geht am besten, wenn man die Blickführung übt.
    http://www.motorradonline.de/schraubertipps/die-richtige-blickfuehrung-beim-motorradfahren/379823

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    1. Huhu! Danke für den Tipp :-)
      Aber inzwischen bin ich ja auch schon sechseinhalbtausend Kilometer gefahren und habe viel gelernt!
      Schön, dass Du mich dabei begleitest !!!

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  2. Ja, genau, kein Telefon, kein Internet. Einfach nur Motorrad. Genau das ist es was ich auch liebe daran!

    Es ist bewundernswert, wie Du das angehst! Das hätte ich mich nicht getraut, am Tag fünf der Karriere gleich eine Ausfahrt mit mehreren.

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